Die Humboldt-Universität zu Berlin (HU) hat per Schreiben vom 23. Juni 2025 einem Journalisten der Tageszeitung junge Welt (jW) ein jahrelanges Haus- und Nutzungsverbot erteilt. Der betroffene jW-Mitarbeiter soll sich am 16. April an einer Besetzung des Emil-Fischer-Hörsaals beteiligt haben, so die HU in dem Schreiben, das junge Welt seit dem heutigen Donnerstag vorliege.
Rund 80 Personen sollen demnach im Hörsaal Schäden im Wert von 200.000 Euro verursacht haben. Dort geplante Lehrveranstaltungen seien dadurch auf Dauer verhindert worden. Dem jW-Journalisten werde schließlich vorgeworfen, »in ganz erheblichem Maße wichtige öffentliche Interessen bei der Verwirklichung des universitären Einrichtungszwecks beeinträchtigt« zu haben. Das Hausverbot gelte laut dem Schreiben bis zum 31. Juli 2028 für »sämtliche« Liegenschaften der HU.
Die jW dazu: „Tatsächlich war der Betroffene am besagten Tat Berichterstatter über die aus Kreisen der Palästina-Solidarität erfolgten Hörsaalbesetzung und als solcher klar gekennzeichnet. Er trug eine leuchtende Warnweste der Deutschen Journalisten Union in der Gewerkschaft Verdi und konnte seinen Presseausweis vorweisen. Zusammen mit zwei weiteren Journalisten, darunter einem für junge Welt tätigen Pressefotografen, war der jW-Mitarbeiter von der Polizei festgenommen und stundenlang in einen Käfig gesperrt worden – wohl, um lästige Pressezeugen bei der nachfolgenden gewaltsamen Räumung des Hörsaals auszuschließen.“
Daniel Bratanovic, Chefredakteur der Tageszeitung junge Welt, erklärte am Donnerstag in Berlin: „Es sagt einiges aus über die Zustände dieses Landes, wenn die polizeiliche Be- und Verhinderung von Pressearbeit nun auch noch von solchen Verboten durch eine Universitätsleitung ergänzt wird. Die seit einiger Zeit zu beobachtenden und sich verschärfenden Angriffe auf die Pressefreiheit sind bedenklich.«