Zum Tod von Bundestagspräsidentin a.D., Frau Professorin Dr. Rita Süssmuth – Bundestagspräsidentin Julia Klöckner würdigt „eine der bedeutendsten Politikerinnen der Bundesrepublik“.
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner:
„Die Nachricht vom Tod der langjährigen Bundestagspräsidentin Prof. Dr. Rita Süssmuth hat mich tief bewegt. Im Namen des Deutschen Bundestages verneige ich mich vor einer politischen Ausnahmeerscheinung.
Rita Süssmuth war eine der bedeutendsten Politikerinnen der Bundesrepublik. Ihr Elan und ihre Beharrlichkeit haben zahllose Menschen in Deutschland beeindruckt – und auch inspiriert! Unser Gespräch kurz nach meiner Wahl zur Präsidentin des Deutsches Bundestages gehört zu den besonderen und intensiven Begegnungen, die mir immer in Erinnerung bleiben.
Dabei war ihr der Weg in die Politik nicht vorgezeichnet. Als Professorin hat sie mit Leidenschaft gelehrt und geforscht. Mit Expertise und Argumentationskraft hat sie auf sich aufmerksam gemacht.
Als Parlamentarierin und Bundesministerin war Rita Süssmuth eine leidenschaftliche Vordenkerin in der Frauen- und Familienpolitik und trieb die Gleichberechtigung von Frauen voran. Bis zuletzt setzte sie sich mit scheinbar unbegrenzter Energie für mehr Repräsentanz von Frauen in Parlamenten ein.
Ihre Politik gegen die Immunschwächekrankheit AIDS war bahnbrechend. Sie wandte sich entschieden gegen jede Form der Ausgrenzung und legte die Grundlage für die erfolgreiche HIV-Prävention in Deutschland.
Ihre Haltung war durchweg geprägt von Empathie, Respekt vor dem Individuum und von Nächstenliebe. Diese Haltung wurzelte in ihrem katholischen Glauben. Rita Süssmuth zog zeitlebens Kraft aus ihrem besonderen Verhältnis zu Gott.
Das Amt der Bundestagspräsidentin übernahm Rita Süssmuth in historisch bedeutsamen Zeiten. Die deutsche Wiedervereinigung erklärte sie gemeinsam mit Sabine Bergmann-Pohl zur ‚Stunde der Parlamente‘. An der Spitze des Parlaments gestaltete sie den deutschen Einigungsprozess mit.
Rita Süssmuths markante Stimme wird unserem Land fehlen. Was sie erreicht hat, wird bleiben. Bei allem, was unvollendet blieb, ist es an uns, beharrlich zu bleiben, weiterzudenken, fortzuschreiten – offen und ehrlich, wie Rita Süssmuth es getan hätte.
Der Deutsche Bundestag wird Rita Süssmuth ein bleibendes Andenken bewahren.“
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken und Bundesfamilienministerin Karin Prien zum Tode von Prof. Dr. Rita Süssmuth
Die ehemalige Bundesministerin für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit und langjährige Präsidentin des Deutsches Bundestages, Prof. Dr. Rita Süssmuth, ist im Alter von 88 Jahren gestorben.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken: „Der Tod von Rita Süssmuth erfüllt mich mit Trauer. Meine aufrichtige Anteilnahme gilt in diesen Stunden ihrer Familie. Wir verlieren mit Rita Süssmuth eine überzeugte, mutige und charismatische Vorkämpferin für Gleichberechtigung und sozialen Zusammenhalt. Sie hat für Frauen in der Politik den Weg geebnet. Persönlich verliere ich ein Vorbild und eine wichtige Inspirationsquelle. In verschiedenen Funktionen hat sie ihr Leben in den Dienst unseres Landes und unserer Demokratie gestellt. Dabei stand sie ein für gegenseitigen Respekt und Verständigung im politischen Diskurs. Im Umgang mit dem damals neuen Thema HIV/AIDS setzte sie als zuständige Bundesministerin auf Aufklärung statt Stigmatisierung und damit auf Menschlichkeit sowie wissenschaftliche Evidenz. Ihre Verdienste werden unvergessen bleiben.“
Bundesfrauenministerin Karin Prien: „Mit großem Bedauern habe ich vom Tod Rita Süssmuths erfahren. Mein tief empfundenes Beileid gilt ihren Angehörigen. Rita Süssmuth ist als Politikerin für Frauen und Männer ein großes Vorbild. Sie hat sich über Jahrzehnte mit starker Stimme für Familien und Frauen eingesetzt, nicht nur als Familien- und Frauenministerin. Sie hat frauen- und gleichstellungspolitische Themen ganz oben auf die Agenda gesetzt, wo sie auch heute noch hingehören. Bis zuletzt kommentierte sie politisches Zeitgeschehen und ergriff Position in aktuellen Debatten, sie war in bester Weise streitbar und gleichzeitig Brückenbauerin. Ihre Stimme wird fehlen!“
Bundeskanzler Friedrich Merz zum Tod von Rita Süssmuth.
„Wir trauern um Rita Süssmuth, eine große Politikerin und ein Leitstern für unser demokratisches Gemeinwesen. Rita Süssmuth hat sich lebenslang für Deutschland engagiert. Sie war als Bundesministerin und Präsidentin des Deutschen Bundestages Vorbild und auch Vorkämpferin, nicht zuletzt für die Gleichberechtigung und die politische Wirkkraft von Frauen. Für eine moderne und offene Gesellschaft hat sie beispielhaft gekämpft und Maßstäbe für Toleranz und Weltoffenheit gesetzt. Dieses Land verdankt ihr viel. Die Bundesregierung wird ihr ein ehrendes Andenken bewahren.“
Ministerpräsident Hendrik Wüst zum Tod von Prof. Dr. Rita Süssmuth
Die NRW-Staatskanzlei teilt zum Tod von Prof. Dr. Rita Süssmuth mit:
Die ehemalige Präsidentin des Deutschen Bundestages und Bundesministerin, Prof. Dr. Rita Süssmuth, ist im Alter von 88 Jahren verstorben.
NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst: „Wir sind in tiefer Trauer. Mit Rita Süssmuth verlieren Nordrhein-Westfalen und Deutschland eine wirkliche Pionierin der Chancengleichheit und eine große Architektin einer gerechten und weltoffenen Gesellschaft. Rita Süssmuth war ein mutiger Mensch, die aber vor allen Dingen anderen Mut gemacht hat. Sie stand ein für unabhängiges Denken, für leidenschaftliche und sachliche Diskussionen und eine klare wertegeleitete Haltung. Geprägt von der katholischen Soziallehre war ihr christlicher Glaube Kompass und Wertefundament. Sie waren die Maximen für ihr Streben nach Gerechtigkeit. Sie war eine echte Christdemokratin, die immer die Zeichen der Zeit erkannte und daraus Schlüsse für lösungsorientierte Politik der Mitte ziehen zu wusste. Ihre starke Stimme der Vernunft wird uns fehlen.
Trotz ihres beachtlichen politischen Wirkens war Rita Süssmuth keine klassische Politikerin. Als Quereinsteigerin kam sie in die Politik und wusste schnell, wie sie die ihr wichtigen Themen bewegen konnte. Sie interessierte und engagierte sich für die Menschen. Sie war mutig, kampfbereit und ging die Probleme der Zeit an. Ihr Motto lautete: ‚Wer nicht kämpft, hat schon verloren‘ – und so kämpfte sie: Für die Gleichstellung von Mann und Frau, für die Entstigmatisierung von Aidskranken und die Eindämmung von HIV. Auch wenn ihr Handeln nicht immer auf die Freude von Partei- und Kabinettkollegen stieß, war Rita Süssmuth beharrlich und hat Themen auf die Agenda gesetzt, die auch gegenwärtig von Bedeutung sind. Sie engagierte sich für ein breites Verständnis von Gesundheit und nahm insbesondere die seelische Gesundheit in den Blick. Zudem gelang es ihr, große Erfolge für die Sichtbarkeit und politische Teilhabe von Frauen und die Vereinbarkeit der Familie zu erzielen. Das zeigt: Rita Süssmuth war oftmals Pionierin in gesellschaftlichen Debatten und hat früh Weichen gestellt, von denen viele Menschen im Land noch heute profitieren. Rita Süssmuth bleibt einmalig und unvergessen.
Für ihren lebenslangen Einsatz sind wir Rita Süssmuth zu Dank verpflichtet. Sie wird für immer einen Platz in der Geschichte des Landes Nordrhein-Westfalen und der Bundesrepublik Deutschland haben. Wir werden ihr ein ehrendes Andenken bewahren. In unseren Gebeten und Gedanken sind wir bei ihrer Familie und Freunden, insbesondere bei ihrer Tochter.“
Zeit ihres Lebens war die gebürtige Nordrhein-Westfälin ihrem Land verbunden: Als Professorin in Bochum und Dortmund ebenso wie als Bundesministerin für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit sowie als langjährige Bundestagspräsidentin in Bonn. Aber auch nach ihrem Ausscheiden aus der aktiven Politik blieb Rita Süssmuth engagiert. Sie setzte sich für das Verhältnis Deutschlands zu Frankreich und Polen ein, war Vordenkerin für ein Deutschland als Einwanderungsland und engagierte sich im Kampf gegen den Antisemitismus. Rita Süssmuth war Wegbereiterin für gesellschaftliche Entwicklungen und demokratische Veränderungen. 2011 wurde sie mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet, seit 2021 würdigt das Land ihr großes gesellschaftliches und wissenschaftliches Wirken mit der Verleihung des Rita Süssmuth-Forschungspreises an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit hervorragenden Arbeiten mit Geschlechterbezug.
„Überlasst die Welt nicht den Wahnsinnigen“.
Nachruf auf Prof. Dr. Rita Süssmuth der CDU Deutschlands.
Die CDU Deutschlands trauert um Bundestagspräsidentin a.D. Prof. Dr. Rita Süssmuth. Mit ihr verlieren wir eine außergewöhnliche Politikerin, die sich herausragende Verdienste erworben hat – für unser Land und für unsere Partei. Sie wird in Erinnerung bleiben, vor allem als eine Pionierin der Frauen-, Familien- und Gesundheitspolitik.
Rita Süssmuth wird am 17. Februar 1937 in Wuppertal geboren. Bereits in frühen Jahren deutet sich an: Da geht eine Frau einen selbstbestimmten Weg; sie weiß, was sie vom Leben will, und lässt sich nicht aufhalten. Nach dem Abitur studiert sie in Münster, Paris und Tübingen Germanistik, Geschichte und Pädagogik. Anschließend, es sind die frühen sechziger Jahre, absolviert sie ein Postgraduiertenstudium der Erziehungswissenschaft, Soziologie und Psychologie. Ihr Abschluss: die Promotion.
Rita Süssmuth macht fortan Karriere in der Wissenschaft und arbeitet als Hochschullehrerin, zunächst als Dozentin, dann als Professorin für Erziehungswissenschaft in Bochum und Dortmund, ehe sie 1982 die Leitung des Forschungszentrums „Frau und Gesellschaft“ in Hannover übernimmt. Ein Jahr zuvor ist sie der CDU beigetreten.
Rückblickend wird Rita Süssmuth den Schritt in die aktive Politik damit begründen, dass es sie gereizt habe, die „über Jahre gewonnenen Erkenntnisse in der Familien-, Frauen- und Kinderforschung politisch umzusetzen“. Und so engagiert sie sich zunächst im Bundesfachausschuss Familienpolitik der CDU, dessen Vorsitzende sie 1983 wird, um schließlich auf Vorschlag des Bundeskanzlers Helmut Kohl 1985 ins Kabinett zu wechseln – als Nachfolgerin des Bundesfamilienministers Heiner Geißler. Und mit ganz eigenen Vorstellungen von diesem Amt. Dass das Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit erstmals auch explizit zuständig für Frauen wird, ist nur eine der nachhaltigen Entscheidungen der bedeutenden Christdemokratin.
Rita Süssmuth hinterlässt ihre Fußspuren: Sie initiiert 1988 den Erziehungsurlaub für Eltern, der heute als Elternzeit von Müttern und Vätern genommen wird. Sie setzt durch, dass Kinderziehung auch in der Rente berücksichtigt wird. Und sie sorgt dafür, dass die CDU ein Frauenquorum bekommt. Ideenreich und zielstrebig, entschlossen und streitbar, aber zugleich versöhnend: Rita Süssmuth geht ihren Weg und wird zur Wegbereiterin einer modernen Frauen- und Familienpolitik. Als Gesundheitsministerin setzt Rita Süssmuth im Kampf gegen Aids auf Aufklärung statt auf Ausgrenzung. Auf ihre Initiative hin wird 1987 die Nationale AIDS-Stiftung gegründet, zu deren Ehrenvorsitzenden sie 2006 ernannt wird.
Die selbstverständliche Gleichberechtigung von Mann und Frau und die Parität in Funktionen, Ämtern und Mandaten bilden für sie das Kernelement moderner Gesellschaftspolitik. Sie folgt dabei konsequent ihrer grundlegenden Überzeugung:
Gerade bei den großen Fragen kann es Antworten nur mit den Frauen geben. Das heißt für sie aber auch: Frauen sollen sich aktiv einmischen. Sie selbst tut das auch als selbstbewusste Vorsitzende der Frauen Union der CDU Deutschlands von 1986 bis 2001.
1988 lässt sie sich ein weiteres Mal von Bundeskanzler Helmut Kohl in die Pflicht nehmen. Nur widerwillig gibt sie das Amt der Bundesministerin auf und erklärt sich bereit, Bundestagspräsidentin zu werden. Sie ist erst die zweite Frau im zweithöchsten Staatsamt – und nach der Wiedervereinigung die erste Präsidentin des gesamtdeutschen Parlaments.
Fast zehn Jahre führt sie diese „Werkstatt der Demokratie“, wie sie den Deutschen Bundestag selbst bezeichnet, und wird zeitweise zur beliebtesten Politikerin im Land geachtet und gelobt für ihre ausgleichende Art, ihre Bereitschaft zum Dialog, ihre Offenheit. Doch Rita Süssmuth will mehr sein als eine Repräsentantin, sie bleibt politisch: In der Debatte um den Schwangerschaftsabbruch §218 stellt sie 1990 einen „Dritten Weg“ vor, der einen Mittelweg aus Indikations- und Fristenlösung vorsah. Ihre Überzeugung: „Die letzte Entscheidung muss bei der Frau liegen.“
Und wer sie trifft, lernt eine Frau kennen, die stets ein offenes Ohr für ihre Mitmenschen hat. Unermüdlich ist sie in ihrem Wahlkreis Göttingen unterwegs und steht als Bundestagsabgeordnete auf der Straße Rede und Antwort. Und sie nutzt ihre Bekanntheit, holt Prominente aus Sport und Kultur nach Göttingen, um unsere Demokratie für unterschiedliche Gruppen interessant und zugänglich zu machen.
Nachdem sie 2002 nicht wieder für den Bundestag kandidiert hat, bleibt sie politisch aktiv und bringt sich immer wieder in gesellschaftliche Debatten ein. Sie kehrt als Präsidentin des Deutschen Volkshochschulverbandes zu ihren Wurzeln zurück und meldet sich fortwährend weiter schriftlich zu Wort – so im Jahr 2020 mit ihrem „Brief an die Enkel“. Der Titel des Buches dieser unermüdlichen Kämpferin könnte treffender nicht lauten: „Überlasst die Welt nicht den Wahnsinnigen“.
Am 01.02.2026 ist Rita Süssmuth im Alter von 88 Jahren gestorben. Unsere Gedanken und Gebete sind bei ihrer Familie und ihren Angehörigen. Die CDU Deutschlands wird ihr ein ehrendes Andenken bewahren.
Bundespräsident Steinmeier kondoliert zum Tod von Rita Süssmuth
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat der Tochter von Rita Süssmuth kondoliert. Der Bundespräsident schreibt:
„Die Nachricht über ihren Tod hat viele Landsleute und auch mich sehr traurig gemacht. Mit Rita Süssmuth verliert unser Land eine großartige Frau und eine leidenschaftliche Kämpferin für die Demokratie.
‚Wer nicht kämpft, hat schon verloren‘ – das war die Maxime Ihrer Mutter, es war die Leitschnur ihres Handelns. Rita Süssmuth ist stets vorweg gegangen, war Vordenkerin, Vorkämpferin und Vorbild, insbesondere auch für viele Frauen. Mit ihrem Mut, ihrer Beharrlichkeit, ihrem Humor und ihrer Überzeugungskraft hat sie maßgeblich dazu beigetragen, in unserem Land Schritt für Schritt mehr Gleichberechtigung in die Tat umzusetzen.
Über Jahrzehnte hinweg hat sich Rita Süssmuth in akademischen Gremien, Kommissionen und Kuratorien mit nie nachlassender Energie für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und für die Förderung von Frauen in Führungspositionen eingesetzt. Als Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit drängte Ihre Mutter erfolgreich darauf, ihr Ressort um die Zuständigkeit für Frauenfragen zu erweitern. Rita Süssmuth war die erste Frauenministerin der Bundesrepublik. Mit ihrem Engagement und ihrer Strahlkraft hat sie viele Frauen inspiriert, sich einen Platz an der Spitze von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu erobern.
Mut und Einfallsreichtum bewies sie auch im Kampf gegen AIDS. Sie setzte verstärkt auf Aufklärung und Beratung, um der Krankheit zu begegnen und sie zu bewältigen.
Rita Süssmuth hat mutig und maßgeblich dazu beigetragen, dass Deutschland sich einer aufgeklärten Einwanderungspolitik öffnete. Integration war ihr ein Herzensanliegen. Sie hatte früh erkannt, dass in unserem Land Integrationspolitik eine Zukunftsaufgabe ist.
Das Amt der Bundestagspräsidentin hat Ihre Mutter durch ihren persönlichen Stil geprägt. Erfolgreich engagierte sie sich für eine Reform der Parlamentsarbeit und bereitete den Umzug nach Berlin vor. Innen- wie außenpolitisch hat sie dem Amt Gewicht verliehen. Ich denke hierbei insbesondere an ihre Besuche in Israel, die in den Zeiten der Wiedervereinigung von großer Bedeutung waren. Bis zuletzt war ihr auch die Aussöhnung von Deutschen und Polen ein Lebensthema.
Rita Süssmuth hat sehr viel bewegt – für unser Land und für die Menschen in diesem Land. Ihre Wärme, ihr Humor und ihre tiefe Menschlichkeit bleiben unvergessen. Ihr Einsatz für Gleichberechtigung bleibt gerade heute ein Vorbild.
Wir werden Rita Süssmuth immer ein ehrendes Andenken bewahren.“
DÜRR: Mit Rita Süssmuth verliert Deutschland eine herausragende Demokratin und große Persönlichkeit.
Zum Tod der früheren Bundesministerin und Bundestagspräsidentin Frau Professorin Dr. Rita Süssmuth erklärt der FDP-Bundesvorsitzende Christian Dürr:
„Der Tod von Prof. Dr. Rita Süssmuth erfüllt uns Freie Demokraten mit großer Trauer. Mit ihr verliert Deutschland eine herausragende Demokratin, die politische Verantwortung stets mit Haltung, Humanität und Weitblick verbunden hat. Ihr Wirken war getragen von der Überzeugung, dass Freiheit und Würde des Einzelnen unantastbar sind und dass Politik den Mut haben muss, auch unbequeme Wahrheiten auszusprechen.
Zu ihren Verdiensten zählt zweifelsohne ihr Einsatz für eine aufgeklärte Gesundheits-, Familien- und Gesellschaftspolitik sowie die Stärkung der Frauenrechte. Als Bundesministerin setzte sie in schwierigen Zeiten auf Aufklärung und Respekt vor individuellen Lebensentwürfen. Gerade ihr Umgang mit der AIDS-Krise bleibt ein Beispiel für mutige Politik gegen Angst und Stigmatisierung.
Als Präsidentin des Deutschen Bundestages prägte Rita Süssmuth den Parlamentarismus in einer Phase tiefgreifender Umbrüche. Sie stärkte die Rolle des Bundestages als Herzstück der Demokratie sowie als Ort des freien Wortes, des fairen Streits und der gemeinsamen Verantwortung. Ihr Amtsverständnis war geprägt von Respekt vor dem Mandat und von der Überzeugung, dass demokratische Institutionen nur durch Vertrauen und Integrität bestehen.
Darüber hinaus stand Rita Süssmuth für Offenheit und Dialog. Ihr Engagement für Bildung und ein weltoffenes Europa beruhte auf dem Vertrauen in die Fähigkeiten des Einzelnen. Rita Süssmuth stand dafür ein, dass Vielfalt eine Stärke sein kann, wenn sie von gemeinsamen Regeln und gegenseitigem Respekt getragen wird.
Über Parteigrenzen hinweg wurde Rita Süssmuth als Brückenbauerin geschätzt. Auch wir Freie Demokraten haben ihr Wirken deshalb mit Hochachtung begleitet. Wir verneigen uns vor einer großen Persönlichkeit. Unser Mitgefühl gilt ihrer Familie und allen, die ihr verbunden waren.“
„Sie war für mich Vor- und Leitbild – als Gesundheitsministerin war sie prägend“.
Der Vorsitzende der CDU/CSU Bundestagsfraktion, Jens Spahn, zum Tod von Rita Süssmuth:
„Ich verneige mich vor Rita Süssmuth. In unsere Trauer mischt sich Hochachtung und tiefer Respekt für ein beeindruckendes politisches Leben. Rita Süssmuth stand für einen neuen Typus Politikerin. Sie ist Vorreiterin für so viele, die ihr nachfolgten und folgen. Sie hat politischen Einfluss nie gesucht, er kam zu ihr. Sie hatte eine Wärme, die man nicht erlernen kann. Und sie hatte die Gabe, dass man sich nach jedem Gespräch mit ihr besser fühlte. Ich werde genau diese Begegnungen mit ihr am meisten vermissen.
Ihre Politik gegen AIDS, gegen Ausgrenzung und für eine HIV-Prävention hat unsere Gesellschaft verändert. Sie setzte auf Menschlichkeit, nicht auf Stigmatisierung. Als homosexueller Mann waren diese gesellschaftlichen Errungenschaften, die untrennbar mit Rita Süssmuth verbunden bleiben, mehr, als ich mir in dieser Zeit hätte vorstellen können. Ich bin ihr auch dafür ganz persönlich dankbar. Sie war für mich Vor- und Leitbild – als Gesundheitsministerin war sie prägend.
Auch als Bundestagspräsidentin hat sie unser Land mit Würde vertreten. Ihre Verständigung mit Polen und Israel ist – neben ihrer modernen Sozialpolitik – ihr wohl größtes Verdienst. Mit ihr verband sich Hoffnung auf ein modernes Land – sie hat sie erfüllt. Wir werden sie vermissen.“
„Mit Mut und Klarheit“.
Ministerpräsident Woidke trauert um Rita Süssmuth.
Brandenburgs Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke trauert um die ehemalige Bundestagspräsidentin und Bundesministerin, Prof. Dr. Rita Süssmuth. Woidke würdigt Süssmuth als engagierte Politikerin, die sich mit „Mut, Klarheit und Menschlichkeit für Gleichberechtigung, Zusammenhalt und für die deutsch-polnische Verständigung einsetzte“.
Woidke: „Rita Süssmuth hat immer mit Herz und Leidenschaft gekämpft – für eine moderne Familienpolitik, für Frauenrechte und Gleichberechtigung, für eine Auseinandersetzung mit Aids-Prävention und Gesundheitsaufklärung sowie für eine humane Zuwanderungspolitik. Ob als Bundestagspräsidentin oder Bundesministerin: Rita Süssmuth stand für Dialog und Respekt.
Besondere Spuren hat sie mit ihrem Einsatz für die deutsch-polnische Verständigung hinterlassen. Die Bedeutung der deutsch-polnischen Freundschaft für das Land Brandenburg hatte sie dabei stets im Blick. Zahlreiche deutsch-polnische Initiativen und Projekte gehen auf ihre Anregung zurück und haben Sitz und inhaltliche Schwerpunkte im Land Brandenburg. Sie hat die Stiftung Genshagen sehr erfolgreich als wichtigen Ort der Begegnung etabliert und war viele Jahre Vorstandsvorsitzende der Deutsch-Polnischen Wissenschaftsstiftung in Frankfurt (Oder). Für diesen Einsatz wurde sie im Jahr 2016 mit dem Verdienstorden des Landes Brandenburg ausgezeichnet. Mit ihrem Engagement und ihrer klaren Haltung hat Rita Süssmuth einen großen Beitrag zur guten Nachbarschaft zwischen Brandenburg und Polen geleistet. Dafür sind wir Brandenburgerinnen und Brandenburger sehr dankbar.“
Landtagspräsidentin Liedtke würdigt Rita Süssmuth als Kämpferin für Frauenrechte
Zum Tod der ehemaligen Bundestagspräsidentin und Bundesministerin Prof. Dr. Rita Süssmuth erklärt die Präsidentin des Landtages Brandenburg, Prof. Dr. Ulrike Liedtke:
„Rita Süssmuth war eine Kämpferin für Frauenrechte und eine Verfechterin von Gleichberechtigung und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Ihr unabhängiges und parteiübergreifendes Engagement für Familien und Frauen verdient großen Respekt und besondere Würdigung. Sie war auch eine Streiterin für das Paritätsgesetz in Brandenburg und erkundigte sich persönlich bei mir laufend zum aktuellen Stand im damaligen Verfahren vor dem Brandenburger Verfassungsgericht. Ihr Enthusiasmus, ihre Hartnäckigkeit und ihre Herzlichkeit werden uns fehlen.“
