NRW-Ministerpräsident Wüst: Grönemeyer gibt dem Ruhrgebiet eine Stimme, die man nie wieder vergisst / Fünf Förderpreise an sieben aufstrebende Künstlerpersönlichkeiten.
Das Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW teilt mit:
Er wuchs in Bochum auf, zählt mit über 22,3 Millionen verkauften Tonträgern zu den erfolgreichsten und gleichzeitig markantesten Künstlern Deutschlands und ist bekannt für sein gesellschaftspolitisches Engagement: Herbert Grönemeyer wird in diesem Jahr mit dem Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen geehrt. Der 70-jährige Ausnahmekünstler überzeugte die Jury um Kulturministerin Ina Brandes mit seinem für Nordrhein-Westfalen prägenden Werk, das mit dem Album „4630 Bochum“ (1984) zu den Klassikern deutscher Musikgeschichte zählt. Darüber hinaus würdigte die Jury Grönemeyers großes gesellschaftliches Engagement. Er macht sich gegen Spaltung der Gesellschaft, für Armutsbekämpfung und Umverteilung, für die weltoffene Demokratie stark und setzt sich für faire Vergütung und Reformen im Musikstreaming ein.
Ministerpräsident Hendrik Wüst und Kulturministerin Ina Brandes verleihen am 17. November 2026 den Kunstpreis an Herbert Grönemeyer zusammen mit fünf weiteren Förderpreisen an nordrhein-westfälische Künstlerinnen und Künstler im K21, der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalens.
Ministerpräsident Hendrik Wüst: „Herbert Grönemeyer gibt dem Ruhrgebiet eine Stimme, die man nie wieder vergisst. In seinen Liedern klingt die ganze Region mit – mit all ihrem Stolz und ihrer Herzlichkeit. Dabei ist er trotz seines internationalen Erfolgs immer einer aus dem Pott geblieben, mit einer tiefen Zuneigung zu den Menschen im Revier. Und das Revier liebt ihn dafür. Sein Leben zwischen Zeche, Theater und Fußballplatz prägt sein Werk bis heute. Die Lieder von Herbert Grönemeyer verbinden Melancholie, Kraft und Trotz. Sie spenden Trost, machen Mut und erinnern uns immer wieder daran, für Demokratie, Frieden und Menschlichkeit einzustehen. Seine unverwechselbare Sprache ist zu seinem Markenzeichen geworden und hat ihm große Anerkennung und zahlreiche Auszeichnungen eingebracht. Seit Jahrzehnten füllt er die großen Stadien und gehört zu den wenigen Künstlern, die mit deutschen Texten weit über Deutschland hinaus begeistern. Zugleich sucht er immer das Gespräch und setzt sich mit klarer Haltung für eine offene und freie Gesellschaft ein. Ich freue mich sehr, Herbert Grönemeyer für sein beeindruckendes künstlerisches Schaffen mit dem Kunstpreis 2026 auszuzeichnen.“
Der 1956 in Göttingen geborene Herbert Grönemeyer wuchs in Bochum auf. Mit zwölf Jahren gründete er seine erste Band und begann 1976 am Schauspielhaus Bochum zu arbeiten. Bekanntheit als Schauspieler erlangte er 1981 durch seine Rolle in dem Weltkriegsdrama „Das Boot“. 1984 gelang ihm mit dem Album „4630 Bochum“ der Durchbruch als Musiker. Er schrieb und präsentierte das Lied „Komm zur Ruhr“ als offizielle Hymne zur Eröffnung der Europäischen Kulturhauptstadt RUHR.2010. Grönemeyer ist einer der kommerziell erfolgreichsten Musiker Deutschlands und eine der wichtigsten Stimmen in der deutschen Kulturlandschaft. 2026 hat er den „Deutschen Nationalpreis“ erhalten, der an Persönlichkeiten vergeben wird, die sich für das Zusammenwachsen und die Vereinigung Deutschlands und Europas einsetzen.
Förderpreise für Künstlerinnen und Künstler
Neben dem Kunstpreis verleiht die Landesregierung jährlich fünf weitere Förderpreise in den Kategorien Baukunst, Darstellende Künste, Literatur, Musik und Visuelle Künste. Die ausgezeichneten Künstlerinnen und Künstler erhalten jeweils 15.000 Euro.
Auszeichnungen 2026
- In der Sparte Baukunst: Studio 2a, Katharina Schrader und Lucas Schrader
- in der Sparte Darstellende Künste: Kama Frankl-Groß und Kwame Osei
- in der Sparte Literatur: Miedya Mahmod
- in der Sparte Musik: Lena Willikens
- in der Sparte Visuelle Künste: Tassilo Lantermann
Kulturministerin Brandes: „Die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger der Förderpreise zeigen erneut, wie vielseitig unsere Kunst- und Kulturlandschaft in Nordrhein-Westfalen ist. Ihre Arbeit ist Vorbild für den künstlerischen Nachwuchs in diesem Land, der immer wieder nach eigenen Ausdrucksformen und Perspektiven sucht. Der Preis ist deshalb Auszeichnung und Ansporn zugleich, das Publikum auch zukünftig mit neuen Ideen und Werken zu begeistern.“
Hintergrund Kunstpreis
Der Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen würdigt herausragende Leistungen zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler und ist mit 25.000 Euro dotiert. Er wird in diesem Jahr zum sechsten Mal verliehen. Erste Preisträgerin war 2021 die Bildende Künstlerin Mary Bauermeister. Es folgten der Bühnenbildner und Regisseur Johannes Schütz (2022), Multitalent Helge Schneider (2023), die Fotografin Ursula Schulz-Dornburg (2024) und der Autor Ralf Rothmann (2025). Der Kunstpreis Nordrhein-Westfalen wird an bedeutende Kunstschaffende oder Künstlerkollektive mit Beziehung zum Land Nordrhein-Westfalen verliehen. Kulturministerin Ina Brandes, die der Jury vorsitzt, hat auch in diesem Jahr fünf Expertinnen und Experten der Sparten Baukunst, Musik, Literatur, Darstellende Kunst und Visuelle Künste in das Gremium berufen: die Architektin Prof. Dr. Heike Hanada, den Komponisten und Oscar-Preisträger Volker Bertelmann (Hauschka), den Autor, Journalisten und Kurator Florian Illies, den Gründer der Pina Bausch Foundation Salomon Bausch sowie die Bildende Künstlerin Anys Reimann.
Hintergrund zu den Förderpreisträgerinnen und -trägern 2026
Baukunst: Katharina und Lucas Schrader
Katharina und Lucas Schrader (beide 1988) stehen für eine forschungsnahe und zugleich praxisorientierte zeitgenössische Baukunst. Nach Stationen in Leipzig, Basel und Köln haben sie gemeinsam in Aachen am Lehrstuhl für Baukonstruktion der RWTH Aachen gearbeitet. Im Jahr 2020 gründeten sie eher beiläufig ihr Büro 2a, das sich zu einem Herzensprojekt entwickelte. Schönheit ist für beide eine zentrale architektonische Kategorie, die am Ende auf Gegenliebe stoßen muss: Es sind Bauten und Räume für die Menschen. 2024 wurden sie in den Bund Deutscher Architekten (BDA) berufen. Für Ihr Erstlingswerk, einem Umbau eines Nachkriegswohnhauses, erhielten Sie unter anderem die Auszeichnung Häuser des Jahres 2024, den Bauherrenpreis „Das goldene Haus“, und zuletzt den Architekturpreis Bonn-Rhein-Sieg 2026. Lucas Schrader unterrichtete bis 2025 am Lehrstuhl „Baukonstruktion“ an der RWTH Aachen. Katharina Schrader lehrt als Vertretungsprofessorin „Baukonstruktion und Entwerfen“ an der Peter Behrens School of Arts in Düsseldorf.
Darstellende Künste: Kama Frankl-Groß & Kwame Osei
Kama Frankl-Groß (1986) und Kwame Osei (1987) stehen mit der Urban-Arts-Sparte am Theater Oberhausen für eine in Deutschland einzigartige künstlerische Struktur. Produktionen wie „Preach“, „Suits“ oder „Blockparty“ setzen sich choreographisch mit Themen wie Rassismus, Kolonialgeschichte und Identität auseinander. Urbane Tanzformen wie etwa Krumping werden als eigenständige künstlerische Sprache im Stadttheater verankert. Osei zählt zu den Pionieren dieses Tanzstils in Europa. Frankl-Groß realisierte zahlreiche Jugend-, Stadtteil- und interdisziplinäre Projekte in Nordrhein-Westfalen. Beide zusammen wollen mit partizipativen Formaten und Projekten neue Zugänge zum Theater schaffen, die Jugendkultur und junge Menschen aktiv einbeziehen. Gemeinsam haben sie zudem das POTTCLASH und AFRO LIGHT FESTIVAL ins Leben gerufen.
Literatur: Miedya Mahmod (they, them)
Miedya Mahmod (1996), in Dortmund und Hagen als Kind kurdischer Eltern aufgewachsen, lebt in Bochum, ist Teil des Kollektivs „parallelgesellschaft“. Mahmod ist nonbinär, arbeitet im Zug, auf Bühnen, am Sprechen und Texten und bewegt sich an der Schnittstelle von Lyrik, Spoken Word, Performance, kuratorischer und redaktioneller Verantwortung. 2023 wurde Mahmod mit dem Jurypreis des „Open Mike“ ausgezeichnet und las 2024 beim „Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb“. 2026 erscheint Mahmods erster Lyrikband „Aus hingehaltener Zunge“ bei Verlag s;rren, einem jungen Verlag für Text und Klang aus Gelsenkirchen. Das Debüt spielt mit fragmentarischen Bildern, dissoziativem Formbewusstsein und subtilen Wechseln im Sprachregister und Sprachraum. Die Texte sind häufig getrieben von politischer Aktualität und sind immer Produkt von Mahmods Glauben an die Arbeit im Kollektiv. Sie beanspruchen keine individuelle Urheberschaft.
Musik: Lena Willikens
Lena Willikens (1977) studierte an der Kunstakademie Düsseldorf und zählt zu den international profilierten Künstlerinnen der elektronischen Musik. Dabei fand die punkinspirierte Willikens erst über Umwege zur elektronischen Musik. Bekannt wurde sie durch ihre langjährige Verbindung zum „Salon des Amateurs“ in Düsseldorf. Als DJ, Musikproduzentin und interdisziplinär arbeitende Künstlerin verbindet sie Musik mit Kunst und einer Do-it-yourself-Attitude, die Routinen vermeiden will. Projekte wie „Phantom Kino Ballett“, das sie mit der Künstlerin Sarah Szczesny entwickelte, zeigen ihre interdisziplinäre Arbeitsweise. Sie gilt als Freigeist.
Visuelle Künste: Tassilo Lantermann
Tassilo Lantermann (1996) studierte an der Kunstakademie Düsseldorf und war Bildhauer-Meisterschüler in der Klasse von Professor Thomas Grünfeld. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen Skulptur, Fotografie und Rauminstallation und zeichnen sich durch experimentelle Zugänge zu Körper und Wahrnehmung aus. Sein eigener Körper dient gleichzeitig als Medium und Motiv. So schluckte er eine Pillcam und nutzte das medizinische bildgebende Verfahren für ein fotografisches Selbstportrait – eine Art ästhetische Dokumentation verschlungener Körperwege. Zu seinen jüngsten Ausstellungen zählen „Raumszenarien“ (Kunstverein Gelsenkirchen, 2025), „Innerspace“ (Projektbüro DFI e. V., Düsseldorf, 2024), und „notes from the underground“ (Kunstverein Rhein-Sieg-Kreis, 2024). Seine nächste Einzelausstellung „BLENDEN“ wird am 15. Dezember bei STRABAG ART in Wien eröffnet.
Fotoquelle: TP Presseagentur Berlin
