Zu den neuesten Entwicklungen im Iran-Krieg und den wirtschaftlichen Folgen eine Einschätzung von Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin):
„Der Waffenstillstand ist ein wichtiger Schritt, markiert
aber noch keineswegs ein Ende des Konflikts. Eine erneute Zuspitzung ist
möglich. Die wirtschaftlichen Schäden sind bereits jetzt erheblich, und auch
die stark verflochtene deutsche Volkswirtschaft wird die Folgen deutlich zu
spüren bekommen.
Es ist daher richtig, dass die Bundesregierung weiterhin über Entlastungen
diskutiert. Angesichts der hohen Preissteigerungen besteht nach wie vor
Handlungsbedarf. Um Haushalte schnell, wirksam und sozial ausgewogen zu
entlasten, sind direkte finanzielle Transfers – ähnlich wie 2022 mit der
Energiekostenpauschale – das geeignete Instrument. Pauschale Maßnahmen wie eine
Ausweitung der Pendlerpauschale oder eine Senkung der Kfz-Steuer wären hingegen
wenig treffsicher und sozial unausgewogen, da sie vor allem höhere Einkommen
begünstigen.
Weitaus gravierender als steigende Spritpreise ist derzeit der Anstieg der
Lebensmittelpreise, der breite Bevölkerungsschichten trifft und insbesondere
Haushalte mit geringen Einkommen stark belastet. Eine Senkung der
Mehrwertsteuer auf Lebensmittel wäre daher ein sinnvoller Ansatz, um gezielt zu
entlasten.
Gleichzeitig sollte sich die Politik nicht auf kurzfristige Maßnahmen
beschränken. Die aktuellen Entwicklungen unterstreichen, wie wichtig es ist,
strukturelle Abhängigkeiten zu reduzieren und die Transformation
voranzutreiben. Die Bundesregierung sollte daher Anreize setzen, den Verbrauch
fossiler Energieträger zu senken. Maßnahmen wie ein Tempolimit, autofreie
Sonntage oder eine stärkere Verlagerung auf den öffentlichen Nahverkehr können
hierzu beitragen. Entscheidend wird sein, kurzfristige Entlastung mit
langfristigen Reformen zu verbinden.“
