Parzinger: Neues Finanzierungsabkommen ist Anerkennung für Reform – Hervorragende Besucherbilanz 2024 – Attraktives Ausstellungsprogramm in diesem Jahr – Ausbau internationaler Kooperationen.
Über 200 Gäste aus Politik, Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft, Tourismus und Gesellschaft kamen am Mittwoch (12. März) zum Jahresempfang der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in die James-Simon-Galerie auf der Berliner Museumsinsel. Darunter waren u.a. der Ministerpräsident von Sachsen, Michael Kretschmer, der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner, sowie Kulturstaatsministerin Claudia Roth. Begrüßt wurden Mitglieder des Deutschen Bundestages und des Berliner Abgeordnetenhauses, zahlreiche Berliner Intendantinnen und Intendanten, Museumsdirektorinnen und -direktoren sowie Chefs namhafter Unternehmen. Beim nun schon traditionellen Jahresempfang stellten die Einrichtungen der SPK Highlights und Schwerpunkte des laufenden Jahres vor. Es war der letzte Jahresempfang des scheidenden Präsidenten Hermann Parzinger und der erste seiner designierten Nachfolgerin Marion Ackermann.




Der Stiftungspräsident, Hermann Parzinger, sagte: „Wir haben heute mit Bundeskanzler Olaf Scholz und den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder das neue Finanzierungsabkommen für die SPK unterzeichnet. Ab 2026 bekommt die SPK jährlich zwölf Millionen Euro mehr. Damit werden wir keine Löcher stopfen, sondern das Geld fließt in die Qualitätsverbesserungen unserer Einrichtungen. Wir sind dafür sehr dankbar, weil wir wissen, wie angespannt die Kulturhaushalte in Bund und Ländern derzeit sind. Wir verstehen dieses deutliche Plädoyer als Zeichen der Anerkennung für unseren Reformprozess.“

Der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz, Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer, betonte: „Kunst und Kultur bringen Geist und Herz in Bewegung, sorgen für Austausch und Begegnungen zwischen den Menschen. Mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz haben wir ein unschätzbar großes, vitales und bewegliches Erbe. Gemeinsam für dieses reiche kulturelle Erbe zu sorgen und es zu bewahren ist und bleibt eine ganz wichtige Aufgabe. Das neue Abkommen trägt dazu bei und ist zugleich ein gemeinsames Bekenntnis von Bund und Ländern zur größten Kultureinrichtung unseres Landes. Aus der Perspektive der Bundesländer ist das föderale Programm der Stiftung und eine starke Ausstrahlung in alle Regionen besonders bedeutsam.“

Die Vorsitzende des SPK-Stiftungsrates, Kulturstaatsministerin Claudia Roth, hob hervor: „Mit schlankeren Strukturen, weniger Bürokratie und effizienteren Prozessen wird sich die SPK künftig voll und ganz auf ihr Kerngeschäft fokussieren können: Ihre einmaligen Sammlungen und Kunstschätze noch mehr zum Strahlen zu bringen und für diese eine noch größeres und breiteres Publikum hierzulande und weltweit zu gewinnen. Es ist ein großer Erfolg, dass wir das Gesetz noch in dieser Legislaturperiode verabschieden und damit den schon seit 2020 andauernden Reformprozess zum Abschluss bringen konnten. Mit dem Finanzierungsabkommen von heute zwischen Bund und Ländern konnten wir die erfolgreiche Umsetzung dieser Reform auch finanziell unterlegen. Damit und auch mit der neuen Präsidentin Marion Ackermann ist die SPK nun sehr gut aufgestellt für die Zukunft. An dieser Stelle möchte ich ausdrücklich Hermann Parzinger danken, der die Stiftung mit seiner Fachkompetenz und seinem Weitblick geprägt und nicht zuletzt auch die Reform mit angestoßen und kraftvoll vorangebracht hat.“




Der SPK-Präsident verwies auf den aktuellen Stand der Reform, die im laufenden Jahr weitgehend abgeschlossen sein wird: „Es war ein Erfolg, dass der Deutsche Bundestag noch vor der Wahl Ende Januar das neue Stiftungsgesetz mit großer Mehrheit beschlossen hat. Das war der Schlussstein unserer Reform, jetzt geht es darum, eine Satzung auszufertigen. Die neue SPK ist damit legitimiert. Wichtig für die Zukunft der SPK ist auch der Strategieprozess, der unter dem Motto: ‚Wir verbinden Menschen, Zeiten und Räume‘ steht“
Besonders im Fokus der SPK-Strategie ist das Thema Publikumsgewinnung. Im vergangenen Jahr zählten die Staatlichen Museen gut 3,7 Millionen Besucherinnen und Besucher trotz geschlossenem Pergamonmuseum, zusätzlichen Schließtagen und -zeiten sowie höherer Eintrittspreise. Die Staatsbibliothek verzeichnete in ihren beiden Häusern über 1,2 Millionen Besuche.
Die Stiftung will einen „aktiven Austausch mit unserem Publikum suchen und mit unseren vielfältigen Formaten neue Besuchergruppen begeistern“. Im Gespräch mit Moderatorin Shelly Kupferberg schilderten stellvertretend die Direktorin der Gemäldegalerie, Dagmar Hirschfelder, und der Generaldirektor der Staatsbibliothek zu Berlin, Achim Bonte, wie das gelingen kann.



„Wir haben bei allen Projekten unsere Besucherinnen und Besucher im Blick, die durch unterschiedlichste Formate angesprochen werden. Ein Riesenerfolg war jüngst der Berliner Salon in der Gemäldegalerie. Wir konnten damit ein neues, diverses Publikum für den Dialog zwischen zeitgenössischer Mode und Alten Meistern begeistern. Mit unserer aktuellen Ausstellung europäischer Gemälde aus dem Odesa Museum wenden wir uns explizit auch an geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer, deren kulturelle Identität es zu bewahren gilt. Museen sollten den Mut haben, sich auch gesellschaftspolitisch zu positionieren“, so Dagmar Hirschfelder.
Für die Staatsbibliothek sagt Achim Bonte: „Ziel öffentlicher Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen muss sein, künftig noch inklusiver zu werden, Barrieren abzubauen und Beteiligungschancen zu mehren. Mit unseren vielfältigen Veranstaltungen im StabiLab, dem Ausbau unseres Stipendienprogramms und einer höchst erfolgreichen Ehrenamtsinitiative breiten wir in der Staatsbibliothek unsere Arme aus und lassen Nutzende zu Beteiligten werden.“
Der SPK-Präsident hob hervor, dass auch Kultureinrichtungen durch die derzeitige Weltlage stark gefordert seien und die verschiedenen Publika gerade jetzt auf Archive, Bibliotheken und Museen vertrauen: „Unser Auftrag ist die Wissensvermittlung. Wir sind freie und unabhängige Eirichtungen und haben die Aufgabe, mit unserer Arbeit aufzuklären, Toleranz zu vermitteln und Zusammenhänge zu erklären. Deshalb vertrauen uns Millionen von Besucherinnen und Besuchern, Nutzerinnen und Nutzer.“
Umso wichtiger, dass die SPK ihre internationalen Kooperationen weiter ausbaue und vertiefe: „Ein Höhepunkt in diesem Jahr wird ganz sicherlich ein großes internationales Symposium unter dem Titel „The Future of Collections“ am 20. und 21. Mai 2025 in der James-Simon-Galerie mit Partnerinnen und Partnern aus aller Welt sein. Ich freue mich sehr auf Panels zu Themen wie „Contested Heritage“, „Entanglements and Networks“ und „New Horizons in Collection Research“.
Weitere Highlights, die im Bühnenprogramm vorgestellt wurden:
Am Kulturforum zeigt die das Kupferstichkabinett unter dem Titel „Kosmos Blauer Reiter. Von Kandinsky bis Campendonk“ eine umfassende Ausstellung zu den eigenen Beständen dieser weltberühmten Gruppierung. Die Neue Nationalgalerie zeigt die erste Retrospektive der brasilianischen Künstlerin Lygia Clark (1920-1988) in Deutschland. Die Schau präsentiert mit rund 120 Kunstwerken ihr gesamtes künstlerisches Schaffen – von geometrisch-abstrakten Gemälden über partizipativ angelegte Skulpturen bis hin zu performativen Werken. Das Kunstgewerbemuseum widmet sich der französischen Modedesignerin Madame Grès (1903-1993), die als eine der wichtigsten Wegbereiterinnen der Haute Couture im 20. Jahrhundert gilt.
Auf der Museumsinsel
wird das 200jährige Jubiläum groß gefeiert. Mit drei großen Sonderausstellungen werden die Feierlichkeiten
eröffnet, die sich über insgesamt fünf Jahre erstrecken: „Grundstein Antike.
Berlins erstes Museum“ beleuchtet die Entstehung des Alten Museums und der
Antikensammlung, während „Mythen in Stein“ die UNESCO-Welterbestätte Göbekli
Tepe im Südosten der Türkei erkundet. Die Alte Nationalgalerie zeigt
mit „Goya – Monet – Degas – Bonnard – Grosse. Die Sammlung Scharf“ erstmals die
bedeutendste deutsche Privatsammlung französischer Kunst in ihrer Gesamtheit.
Der Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart zeigt Klára Hosnedlovás monumentale
Installation für die CHANEL Commission in der historischen Halle. Die Arbeit
kreist um die Heimat, Utopien und den Alltag in unterschiedlichen politischen
Systemen. Die bis dato größte raumgreifende, skulpturale Szenerie von
Hosnedlová entsteht aus bis zu neun Meter hohen Tapisserien, ortspezifischen
Objekten, organisch wirkenden Reliefs und großflächigen Stickereien.
Das Ibero-Amerikanische Institut stellte ein deutsch-argentinisches Gemeinschaftsprojekt, bei dem aus vergleichender Perspektive die jeweiligen Erfahrungen mit der Umsetzung des Open Science-Ansatzes in den Sozial- und Geisteswissenschaften analysiert werden. Ein Kernanliegen des Projektes besteht darin, gemeinsam neue Erkenntnisse zu Open Science in beiden Ländern zu erarbeiten und dabei miteinander und voneinander zu lernen.
Die Staatsbibliothek zu Berlin freut sich über den erfreulichen Zuwachs für die Comicsammlung. Seit den 1950er Jahren baute Stefan Neuhaus (1947-2022) systematisch eine Comicsammlung auf, die die Bandbreite der Comic-Kultur und die Entwicklung der Literatur- und Kunstgattung bis in die Gegenwart in beeindruckender Weise dokumentiert. Dank einer großzügigen Schenkung seiner Frau Heidemarie Küttner-Neuhaus ergänzt das vielfältige Konvolut verschiedenster Bücher, Hefte und Originale ab sofort unseren Bestand. Die Sammlung enthält etwa 4.400 Bücher und Hefte aus den Jahren 1951 bis 2022, die Hälfte davon aus den für den Comic-Markt bedeutenden Ländern Vereinigte Staaten, Frankreich und Belgien, weitere 1.000 Titel aus Deutschland, etwa 700 Werke aus Japan, China, Taiwan, Nord- und Südkorea sowie kleinere Bestände aus Ländern wie Israel, Island, Skandinavien oder Südafrika. Hinzu kommen ca. zwei Meter Hefte in Serie, großformatige Boxen, ausgewählte Forschungsliteratur sowie Originalzeichnungen und Druckgrafiken.
Das Geheime Staatsarchiv gibt alles für die Ahnenforschung: Gesellschaften und Individuen sind in Zeiten multipler Krisen auf der Suche nach Orientierung und Identität. Dieses Bedürfnisbekommt auch das „Gedächtnis Preußens“ unmittelbar zu spüren: Ins Archivgebäude nach Dahlem kommen Menschen, die die Geschichte ihrer Herkunft oder ihrer Region entschlüsseln wollen; Forscher, die zu ganz aktuellen Themen historische Parallelen suchen.
Für das Staatliche Institut für Musikforschung mit seinem Musikinstrumenten-Museum ist 2025 ein Übergangsjahr – ein Jahr der Reflexion und des Experimentierens mit neuen Formaten und Angeboten für die Öffentlichkeit, um ein offeneres und für alle zugängliches Museum zu schaffen. Neben Führungen mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten kann das Publikum am Donnerstagabend Kurzkonzerte („Music in the Dark“) oder Spezialführungen („Hingehört! – Führung durch die Akustikräume des SIM“) erleben. Das Museum betont seine Funktion als Wissensplattform: In der Reihe „Meet the Maker | Meet the Musician“ laden wir Instrumentenbauerinnen und -bauer sowie Musikerinnen und Musiker ein, über ihren Beruf und ihre Karriere zu sprechen.
Text: SPK
Fotoquellen: TP Presseagentur Berlin