85 Jahre nach den Massenerschießungen von ukrainischen Juden in Babyn Jar bei Kijiw hat Bundesministerin Karin Prien die deutsche Bundesregierung beim offiziellen Gedenken in der Ukraine vertreten. In Anwesenheit des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj betonte sie in ihrer Rede die dauerhafte deutsche Verantwortung für die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus und die Solidarität mit der Ukraine.
Karin Prien, Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: „Erinnerung bedeutet Verantwortung – und diese Verantwortung vergeht nicht. Niemals. Als deutsche Bundesministerin stehe ich heute hier in Babyn Jar, an einem Ort, an dem vor 85 Jahren mehr als 33.000 Jüdinnen und Juden von deutschen Tätern ermordet wurden. Wir Deutsche dürfen nicht vergessen, was hier und an vielen anderen Orten der Ukraine im deutschen Vernichtungskrieg geschehen ist. Erinnerung heißt deshalb nicht nur, den Toten ihre Namen, ihre Würde und ihre Geschichte zurückzugeben. Erinnerung verpflichtet uns auch heute, Haltung zu zeigen. Angesichts des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine bedeutet das für Deutschland: Wir stehen verlässlich und dauerhaft an der Seite der Ukraine.
Europa hat aus den Katastrophen des 20. Jahrhunderts ein Versprechen gemacht – dass Menschen nicht aufgrund ihrer Herkunft oder Religion entrechtet werden und Grenzen nicht mit Gewalt verschoben werden dürfen. Ausgrenzung, Antisemitismus und Entmenschlichung beginnen nicht mit Massenverbrechen – sie beginnen schleichend. Eine demokratische Gesellschaft muss früh widersprechen und die Stimme erheben. Deutschland steht in besonderer Verantwortung, dieses Versprechen einzulösen. Gleichgültigkeit darf niemals die Antwort auf die Verbrechen der Geschichte sein.“
Am 29. und 30. September 1941 erschossen deutsche Nationalsozialisten und ihre Helfer in einer Schlucht bei Kijiw über 33.000 ukrainische Jüdinnen und Juden. Die Massenerschießungen waren das größte Einzelmassaker im Zweiten Weltkrieg auf europäischem Boden.
