Bundespräsident Steinmeier kondoliert zum Tod von Alexander Kluge.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat zum Tod von Alexander Kluge kondoliert. Der Bundespräsident schreibt:

„Mit Alexander Kluge verlieren wir eine der großen intellektuellen Persönlichkeiten unseres Landes. Seit mehr als 60 Jahren prägte er das Kulturleben in unvergleichlicher Weise: als Autor, als Filmemacher, der sein Handwerk noch bei Fritz Lang gelernt hat, als Schriftsteller, der einen ganz eigenen und unverkennbaren Ton in die deutsche Literatur gebracht hat, als Medienunternehmer, Hochschullehrer, Philosoph und vor allem als ein einfühlsamer Gesprächspartner – mit seiner unverwechselbaren Stimme.

Aus Überzeugung war Alexander Kluges Arbeitsweise oft Teamwork: Immer wieder tauschte er sich mit anderen Autoren, Künstlern und Wissenschaftlern aus oder arbeitete mit ihnen zusammen. Er gehörte der Gruppe 47 an, war als Filmemacher einer der ersten in der Bundesrepublik, die der französischen Nouvelle Vague folgten, und hat den Neuen Deutschen Film mitbegründet.

Immer wieder hat Alexander Kluge neue Wege gesucht, um Bilder zu finden, zu erklären und vor allem aufzuklären. Und immer wieder hat er sich auf das Neue eingelassen – ohne je zu vergessen oder gar zu verleugnen, was gewesen ist. Seine Beiträge wurden nicht nur gehört, sondern sie gaben Orientierung in der Kunst, in der Kultur, in unserer Gesellschaft.

Sein Interesse galt der großen Geschichte und der Politik genauso wie den alltäglichen Abenteuern der Menschen, dem Gelingen oder Misslingen des gewöhnlichen Lebens. ‚Ich bin im Grunde ein Nachkomme der Weberin Arachne, die in Byzanz in ihre Gewänder die Zeitgeschichte einwebte‘, hat Alexander Kluge einmal gesagt. Und er beherrschte dieses Handwerk! Wie kaum einem anderen Autor und Filmemacher gelang Alexander Kluge das geistvolle Verweben von Stoffen aus Geschichte und Gegenwart.

Aus seiner Leidenschaft zu schreiben, zu erzählen, die Wirklichkeit aufzuzeichnen, ist auch sein Opus magnum ‚Chronik der Gefühle‘ entstanden. Ein Geschenk an unser Land, für das wir Alexander Kluge immer dankbar sein werden. Wir werden seinesgleichen nicht mehr haben.“

Alexander Kluge ist gestern im Alter von 94 Jahren verstorben.

Kulturminister Robra zum Tod von Alexander Kluge

Mit Betroffenheit habe Sachsen-Anhalts Staatsminister und Minister für Kultur Rainer Robra vom Tod Alexander Kluges erfahren, der gestern im Alter von 94 Jahren verstorben ist: „Mit Alexander Kluge verlieren wir eine bedeutende Stimme der deutschen Gegenwartskultur. Sein Denken, seine Bilder und seine Texte werden bleiben. Sein Lebenswerk hat die deutsche Kultur- und Geistesgeschichte über Jahrzehnte hinweg maßgeblich geprägt.“

Alexander Kluge sei ein herausragender Erzähler, scharfsinniger Denker und ein unermüdlicher Grenzgänger zwischen Literatur, Film und Theorie gewesen. Durch seine Erfahrungen bei der Zerstörung von Halberstadt war er bis zuletzt ein unermüdlicher Mahner für den Frieden.

„Für Sachsen-Anhalt hatte Alexander Kluge eine besondere Bedeutung. Als Klopstock-Preisträger unseres Landes und als engagierter Unterstützer des Gleim-Hauses hat er stets die Verbindung zu seiner Heimat gehalten und diese aktiv gefördert. Kluge blieb Zeit seines Lebens ein großer Halberstädter – verwurzelt in seiner Herkunft und zugleich offen für die Welt“, so Robra weiter.

Alexander Kluge, geboren 1932 in Halberstadt, ist am 25. März im Alter von 94 Jahren in München verstorben. 2019 wurde er mit dem Klopstock-Preis des Landes Sachsen-Anhalt ausgezeichnet, 2022 mit dem Verdienstorden des Landes, 2025 mit dem Bundesverdienstkreuz.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*