Der CDU-Abgeordnete und Vorsitzende der Jungen Gruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Pascal Reddig, wertet die Arbeit der Rentenkommission als Erfolg. „Durch den Druck, den wir in der Debatte erzeugt haben, ist jetzt ein deutlich schnelleres und vor allem gutes Ergebnis gelungen,“ sagt Reddig im Interview mit der Zeitung „Das Parlament“. Der Beitragssatz werde 2028 zwar steigen, er könne aber in den 2030er Jahren stabilisiert oder sogar gesenkt werden. „Damit schaffen wir eine Trendwende.“
Heftige Widerstände haben die Vorschläge der Kommission zur geplanten Integration von Minijobs in die reguläre Sozialversicherung ausgelöst. Gastronomie und Handel protestieren besonders massiv. Reddig hält dagegen: „Es geht nicht darum, diese Beschäftigungsmöglichkeiten abzuschaffen, sondern darum, sie in die regulären Systeme einzubeziehen.“ Das soll insbesondere Selbstständige und Minijobber besser im Alter absichern. Im Gesetzgebungsverfahren müsse man aber „eine praxistaugliche Lösung formulieren“.
Als wichtige neue Säule befürwortet Reddig die sogenannte „Schwedenrente“, eine kapitalgedeckte Lösung innerhalb der Rentenversicherung. Sie sei einfacher umzusetzen als eine verpflichtende Betriebsrente und könne mittelfristig das Rentenniveau deutlich erhöhen.
Reddig betont, dass die Reform ein ausgewogener Kompromiss sei. Union und SPD hätten Positionen räumen müssen. „Hinter unserer Idee kann sich eine breite Mitte der Bevölkerung versammeln.“ Besonders warnt er vor dem Herausnehmen einzelner Elemente: Die Maßnahmen hätten diverse Wechselwirkungen; wer einen Baustein herausnehme, gefährde „die Statik und Balance der Gesamtkonstruktion“.
Die TP Presseagentur dokumentiert das am 25.07.2026 in der Wochenzeitung „Das Parlament“ erscheinende Interview vorab im vollen Wortlaut:
Das Parlament: Herr
Reddig, hat sich der Aufstand der jungen Renten-Rebellen der Union im letzten
Herbst gelohnt?
Pascal Reddig:
Ja. Im Koalitionsvertrag war vereinbart, dass die Rentenkommission erst zur
Mitte der Legislatur ihre Ergebnisse vorlegen soll. Durch den Druck, den wir in
der Debatte erzeugt haben, ist jetzt ein deutlich schnelleres und vor allem
gutes Ergebnis gelungen. Für uns ging es ja nie darum, etwas zu verhindern. Wir
haben für eine bessere Politik gekämpft.
Das Parlament: Bei
welchen Kompromissen zugunsten älterer Arbeitnehmer und Rentner mussten Sie als
junger Abgeordneter besonders tapfer sein?
Reddig:
Mich schmerzt, dass wir es nicht geschafft haben, kurzfristig eine
Stabilisierung des Beitragssatzes hinzubekommen. Die Reform kommt dafür leider
15 Jahre zu spät. Wir mussten verschiedene Ziele in Einklang bringen: die
Verlässlichkeit der Renten, mehr Generationengerechtigkeit und die
Finanzierbarkeit des Systems. Der Beitragssatz wird 2028 steigen, weil jetzt
die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen. Das war mit der Reform nicht zu
verhindern. Trotzdem bin ich zufrieden, weil wir den Beitragssatz in den 2030er
Jahren mit einem Maßnahmenmix stabilisieren, vielleicht sogar senken können.
Damit schaffen wir eine Trendwende.
Das Parlament:
Abgeordnete, Selbstständige und Vorstandschefs von Unternehmen sollen künftig
in die Rentenkasse einzahlen, Beamte aber nicht.
Reddig:
Die Kommission hätte es sich einfach machen und die sofortige Einbeziehung von
Beamten in die gesetzliche Rente empfehlen können. Doch wir haben uns eine
realistische Brille aufgesetzt. Die Einbeziehung hätte zunächst die Haushalte
von Bund und Ländern stark belastet, weil sofort Sozialversicherungsbeiträge
für Beamte fällig geworden wären. Die Steuerzahler wären erstmal belastet und
die gesetzliche Rentenversicherung langfristig dennoch nicht finanziell
entlastet worden. Außerdem bräuchte es eine Verfassungsänderung.
Das Parlament: Die
Beamten kommen also ungeschoren davon?
Reddig:
Nein. Wir werden die Systeme – Rentenversicherung und Pensionen – stärker
angleichen. Die Verbeamtung soll auf bestimmte Bereiche eingegrenzt werden. Die
Höhe der Pensionen soll sich an den letzten fünf bis zehn Jahren des
Berufslebens bemessen statt an aktuell zwei Jahren. Reformen bei der
gesetzlichen Rente sollen deckungsgleich auf die Beamtenpensionen übertragen
werden.
Das Parlament: Die
Ausweitung der Mütterrente rühren Sie nicht an. Haben Sie Angst vor Markus
Söder und der CSU?
Reddig: Wir
haben als Kommission entschieden, von der Koalition bereits beschlossene
Maßnahmen nicht wieder rückgängig zu machen, sondern nach vorn zu blicken.
Durch die Einführung von Freibeträgen bei der Grundsicherung im Alter sorgen
wir aber dafür, dass die Mütterrente mehr bei den Müttern ankommt, die sie
tatsächlich brauchen.
Das Parlament: Die
Verlängerung der Lebensarbeitszeit fällt sehr moderat aus, das
Renteneintrittsalter wird in großen Zeitabschnitten auf 70 Jahre erhöht. Wird
das reichen, um die Renten zukunftsfest zu machen?
Reddig: Wenn
wir als Gesellschaft länger leben, ist es richtig, dass wir auch einen Teil der
längeren Lebenszeit in Arbeit verbringen. Die viel diskutierte „Rente mit 70“
würde aber erst zum Ende des Jahrhunderts kommen, wenn die Lebenserwartung
weiter wie prognostiziert steigt. Zukunftsfest und generationengerecht wird die
Rente auch durch die Wiedereinführung der demografischen Dämpfungsfaktoren, die
Abschaffung der Rente mit 63 und die Anhebung der Altersgrenzen bei den
Frührenten.
Das Parlament: Gegen die
faktische Abschaffung der Minijobs laufen Gastronomie und Handel nun aber
Sturm.
Reddig:
Es geht nicht darum, diese Beschäftigungsmöglichkeiten abzuschaffen, sondern
darum, sie in die regulären Systeme der Sozialversicherung einzubeziehen. Das
ist eine Entscheidung zugunsten einer besseren Absicherung im Alter. Besonders
viele Selbständige und Minijobber sind im Alter auf Grundsicherung angewiesen,
dem wollen wir entgegenwirken. Außerdem hätte der Schritt positive
Beschäftigungsanreize. Es wird im Gesetzgebungsverfahren darauf ankommen, eine
praxistaugliche Lösung zu formulieren.
Das Parlament:
Widerspruch kommt auch aus den Ländern, unter anderem von Manuela Schwesig
(SPD) aus Mecklenburg-Vorpommern. Sehen Sie darin noch eine Gefahr für das
Paket?
Reddig:
Die meisten Rentengesetze sind nicht zustimmungspflichtig. Trotzdem ist für uns
wichtig, dass die Länder mit an Bord sind. Es gab von dort vor allem positive
Rückmeldungen. Wir müssen jetzt aufpassen, keine Rosinenpickerei zu betreiben.
Wenn man einen Baustein aus unserem Konzept herausnimmt, muss jedem klar sein,
dass das Haus bröckeln kann. Die Maßnahmen unserer Empfehlungen haben diverse
Wechselwirkungen, die für Ausgewogenheit sorgen.
Das Parlament: Riecht
das nicht nach der Methode: Friss, Vogel, oder stirb?
Reddig:
Die Entscheidung trifft der Bundestag. Wir haben einen Vorschlag gemacht.
Unsere Verantwortung ist, darauf hinzuweisen, dass die Einzelmaßnahmen zum
Rentenbeitrag, zum Renteneintritt, zum Rentenniveau und zu den Ausgaben so
miteinander zusammenhängen, dass man nicht einzelne Bausteine herausnehmen
kann, ohne die Statik und Balance der Gesamtkonstruktion zu gefährden.
Das Parlament: Auf eine
verpflichtende Betriebsrente als wichtige Säule der Altersversorgung konnten
Sie sich nicht verständigen. Warum?
Reddig:
Wir haben uns angeschaut, wie andere Länder es geschafft haben, deutlich höhere
Versorgungsniveaus in der Alterssicherung zu bewirken. Da sind wir in Schweden
gelandet…
Das Parlament: … bei der
Kapitalrente.
Reddig:
Genau. Diese Lösung erlaubt, die Kosten möglichst gering und das Modell
möglichst einfach zu halten. Die „Schwedenrente“ sorgt dafür, dass die Renten
für alle mittel- und langfristig deutlich ansteigen können.
Das Parlament: Die Rente
mit 63 wird abgeschafft, die Altersteilzeit eingeschränkt, der
Nachhaltigkeitsfaktor kehrt zurück – täuscht der Eindruck, dass die SPD als
Juniorpartner in der Koalition mehr Kröten schlucken musste?
Reddig:
Wir haben ein ausgewogenes Konzept erarbeitet, bei dem jede und jeder in der
Kommission seine politische Position überdenken musste. Es ging nicht darum,
der SPD etwas zu geben, dann der CDU und schließlich der CSU. Wir wollten
konkrete Lösungen für bestehende Probleme finden. Dafür musste dann mal Annika
Klose (SPD) eine parteipolitische Position räumen, aber ebenso auch Florian
Dorn (CSU) und ich. Wenn wir das nicht geschafft hätten, wären wir nicht zu
einem so guten Ergebnis gelangt. Wir sind den Erwartungen gerecht geworden und
haben einen sozialen Ausgleich zwischen den verschiedenen Interessen und
Generationen hergestellt. Hinter unserer Idee kann sich eine breite Mitte der
Bevölkerung versammeln.
Das Interview führte Gunther Hartwig.
Pascal Reddig (CDU) ist seit 2025 Mitglied des Bundestages und Vorsitzender der
Jungen Gruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, sowie Vize-Bundesvorsitzender der
Jungen Union. Er ist unter anderem Mitglied im Ausschuss für Arbeit und
Soziales.
