Am morgigen Montag, 9. November 2026, beginnt im türkischen Antalya die 31. Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen (COP31). Bis zum 20. November beraten die Vertragsstaaten darüber, wie sie das Pariser Klimaabkommen schneller umsetzen können. Die bisherigen nationalen Klimaschutzbeiträge für 2035 reichten in der Summe nicht aus, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. In Antalya geht es deshalb darum, die vorliegenden Beiträge umzusetzen und weitere ehrgeizige Maßnahmen voranzubringen. Weitere Themen sind die Anpassung an Klimafolgen und die Umsetzung des neuen globalen Klimafinanzierungsziels. Bundesumweltminister Carsten Schneider steigt in der zweiten Konferenzwoche vor Ort in die Verhandlungen ein. Das Bundesumweltministerium ist innerhalb der Bundesregierung für die internationale Klimapolitik federführend. Das Entwicklungsministerium bringt seine entwicklungspolitische Expertise ein, verhandelt federführend zum Thema Anpassung und unterstützt die Umsetzung und Finanzierung klimapolitischer Maßnahmen und Partnerschaften. Das Auswärtige Amt begleitet die Konferenz mit seiner Arbeit in den Bereichen Klimaaußenpolitik und Klima und Sicherheit.
Bundesumweltminister Carsten Schneider: „Je
schneller die weltweiten Emissionen sinken, desto schneller können wir die
Temperaturkurve wieder auf 1,5 Grad drücken. Zugleich müssen wir die Menschen
besser vor den Folgen von Hitze, Dürren und Überschwemmungen schützen. In
Antalya wollen wir dabei so konkret wie möglich werden. Die geoökonomische Lage
mit den Preisschocks für Benzin, Diesel und Gas ist neben dem Klimaschutz ein
weiterer dringender Grund, jetzt engagiert voranzugehen: Drei Viertel der
Menschheit lebt in Ländern, die wie wir von fossilen Importen abhängig sind.
All diese Länder haben jetzt einen starken neuen Anreiz, etwas an ihrem
Wirtschaftsmodell zu verändern. Neben erneuerbaren Energien und
Energieeffizienz ist die Elektrifizierung das richtige Gegenmittel gegen die
fossile Krise. Die Bundesregierung wird die Elektrifizierungs-Initiative der
Präsidentschaft unterstützen. Weitere Länder werden folgen. Das Ziel ist ein
starkes Signal an die weltweiten Märkte, dass modernen und effizienten
elektrischen Technologien die Zukunft gehört. Jedes neue Elektroauto, jede neue
Wärmepumpe und jedes Werk, das Prozesswärme mit erneuerbarem Strom erzeugt,
macht uns einen Schritt unabhängiger von den andauernden Preisschocks bei Öl
und Gas.“
Bundesaußenminister Dr.
Johann Wadephul: „Die Lage der kleinen Inselstaaten zeigt uns
sehr konkret, wie existenziell die Folgen des Klimawandels schon heute sind:
Viele drohen buchstäblich im Meer zu versinken. Ihre Stimme muss bei der
Weltklimakonferenz deshalb gehört werden. Denn für sie ist der Klimawandel eine
ganz akute Sicherheitsbedrohung, das habe ich bei meinem Besuch in Tonga Anfang
des Jahres erlebt. Wenn anderswo Konflikte um Wasser und fruchtbare Böden
eskalieren, Menschen ihre Heimat verlassen müssen, Extremisten Zulauf finden,
dann betrifft das auch unsere Sicherheit hier in Deutschland und Europa. Die
Blockade der Straße von Hormus zeigt, wie Energie als Waffe eingesetzt werden
kann – Investitionen in die heimischen Erneuerbaren sind deswegen nicht nur
Klimaschutz, sondern auch eine Investition in unsere Sicherheit. Mit unserer
Klimaaußenpolitik, unseren Klimapartnerschaften und Klimabotschaften tragen wir
im täglichen Austausch mit vielen Ländern rund um den Globus dazu bei, dass der
Klimawandel nicht nur einmal im Jahr bei der COP im Fokus steht. Wir setzen uns
ganzjährig zusammen mit starken Partnern ambitioniert für das Klima ein und
gehen die Folgen des Klimawandels entschlossen an. Denn der Klimawandel kennt
keine Grenzen, er betrifft uns alle.“
Bundesentwicklungsministerin
Reem Alabali Radovan: „Die Auswirkungen der Klimakrise haben
wir in diesem Sommer einmal mehr zu spüren bekommen: extreme Hitze, Flusspegel
auf Niedrigständen und Aufrufe zum Wassersparen. Die Menschen im Globalen Süden
trifft der Klimawandel jedoch am härtesten. Hitzewellen und Überschwemmungen
werden dort immer wieder zur Überlebensfrage. Die Klimakrise ist eine zentrale
globale Gerechtigkeitsfrage unserer Zeit. Unsere Antwort muss internationale
Solidarität sein. Gerade das leistet die deutsche Entwicklungspolitik. Wenn wir
über die Klimakrise sprechen, müssen wir auch über Wasser sprechen. Wasser und
Klima gehören untrennbar zusammen. Wir brauchen flächendeckende Anpassungspläne,
Frühwarnsysteme und eine gute Klimarisikofinanzierung. Dafür setzen wir uns bei
der COP31 ein. Denn die 1,5-Grad-Grenze wird bereits zeitweise überschritten.
Jedes Zehntelgrad zählt.“
Die 31. Weltklimakonferenz wird erstmals von zwei Präsidentschaften geleitet:
Die Türkei ist als COP-Präsidentschaft unter anderem für die Ausrichtung sowie
Organisation und für die sogenannte Action Agenda (zur Umsetzung des Pariser
Abkommens) verantwortlich. Australien firmiert als Verhandlungs-Präsidentschaft.
Zu Australiens Aufgaben gehören die Vorbereitung und Leitung der Verhandlungen,
Konsultationen mit den Staaten und die Erarbeitung von Beschlüssen.
Bundesumweltminister Carsten Schneider wird im Auftrag der australischen
Verhandlungspräsidentschaft gemeinsam mit dem indischen Umweltminister
Bhupender Yadav die politischen Konsultationen zum zentralen Thema der
Minderung von Treibhausgasen übernehmen.
Grundlage für das gemeinsame Auftreten der Europäischen Union sind die
Schlussfolgerungen des EU-Umweltrats vom 12. Oktober. Zu den Prioritäten
gehören der Ausbau erneuerbarer Energien, mehr Energieeffizienz und die
schrittweise Abkehr von fossilen Brennstoffen. Deutschland hat dazu einen
nationalen Fahrplan vorgelegt. In Antalya setzt sich die Bundesregierung auch
dafür ein, Methanemissionen zu senken, das klimaschädliche Gas
Schwefelhexafluorid (SF₆) in
Stromnetzen zu ersetzen und die Kreislaufwirtschaft zu stärken.
Deutschland unterstützt die Elektrifizierungsinitiative der türkischen
COP-Präsidentschaft. Ihr Ziel ist es, den Anteil von Strom am weltweiten
Endenergieverbrauch bis 2035 von gut 20 auf 35 Prozent zu erhöhen. Deutschland
unterstützt die Initiative unter anderem mit der Verteilnetzinitiative D-Grids.
Leistungsfähige Stromnetze und Speicher sind eine Voraussetzung dafür, dass
mehr erneuerbarer Strom in Gebäuden, im Verkehr und in der Industrie genutzt
werden kann.
Bei der Klimaanpassung setzt sich Deutschland dafür ein, besonders gefährdeten
Ländern den Zugang zu Klimafinanzierung zu erleichtern und naturbasierte
Lösungen stärker zu nutzen. So können intakte Mangroven Kohlenstoff speichern
und Küsten vor Sturmfluten schützen. Auch der Schutz der Ozeane rückt in
Antalya stärker in den Blick. Die COP31-Vorbereitungskonferenz (Pre-COP) in
Fidschi unter australischem Vorsitz hat dafür bereits erste Impulse gesetzt.
