Gemeinsam mit der Präsidentin des Deutschen Bundestages,
Julia Klöckner, hat der Staatsminister für Kultur und Medien, Wolfram Weimer,
heute im Berliner Tiergarten das Mahnmal für die im Nationalsozialismus
verfolgten und ermordeten Zeugen Jehovas der Öffentlichkeit übergeben. Bei der
feierlichen Einweihung waren neben dem Künstler Matthias Leeck auch zahlreiche
Angehörige der Opfergruppe und etwa 700 Gäste anwesend.
Staatsminister Weimer sagte im Vorfeld: „Mit diesem Mahnmal erhält eine lange
Zeit weniger bekannte Opfergruppe des Nationalsozialismus einen sichtbaren Ort
des Erinnerns und Gedenkens. Damit setzen wir ein Zeichen für religiöse Toleranz
und erinnern an Menschen, die sich in den 1930er Jahren – mit als Erste – dem
totalitären Anspruch der Nationalsozialisten widersetzt haben. Menschen, die
für ihren Glauben und ihre Überzeugung gelitten haben, die verfolgt und gejagt
wurden, die Folter und Konzentrationslager erlitten, die umgebracht wurden.“
Das Mahnmal erinnert an die Zeugen Jehovas, die ab 1933 in Deutschland und ab
1938 im nationalsozialistisch beherrschten Europa systematisch verfolgt wurden.
Die Nationalsozialisten inhaftierten über 15.500 Frauen und Männer; 4.200 in
Konzentrationslagern, wo sie den „lila Winkel“ tragen mussten. Mindestens 1.750
Zeugen Jehovas verloren ihr Leben. 282 von ihnen wurden wegen
Kriegsdienstverweigerung hingerichtet. Die Diskriminierung der Zeugen Jehovas
setzte sich auch in der DDR fort, die die Religionsgemeinschaft 1950 verbot.
Die Errichtung des Mahnmals geht auf den Beschluss des Deutschen Bundestages
vom 22. Juni 2023 zurück. Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und
Medien finanzierte das Vorhaben. Die Umsetzung übernahm die Stiftung Denkmal
für die ermordeten Juden Europas. Der Künstler Matthias Leeck hat für den
Gedenkort eine Bronzeskulptur in der Form eines Baums entworfen.
Staatsminister Weimer sagte: „Erinnerungskultur hat die Aufgabe, Verfolgungs-
und Opfergeschichten sichtbar zu machen. Das Mahnmal schließt eine Lücke in
unserer Erinnerungskultur und stärkt das Bewusstsein für die Gefahren der
Intoleranz, Ausgrenzung und staatlicher Willkür.“
Im Anschluss an die Einweihungszeremonie traf Staatsminister Weimer
Jugendliche, die im Rahmen des Projektes „Gedächtnis der Namenlosen“ eine
stetig wachsende Datenbank mit Biographien verfolgter Zeugen Jehovas erarbeitet
haben. Diese Daten bilden die Grundlage für eine interaktive Karte zu den Orten
des Widerstandes und der Verfolgung. Historische Dokumente und Fotos sowie
Videoclips, die während der Arbeit der Jugendlichen entstanden, werden die
biographischen Informationen auf der interaktiven Karte ergänzen. Das Projekt
ist Teil des Programms „JUGEND erinnert vor Ort & engagiert“, das vom
Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und der Stiftung EVZ
gefördert.
Fotoquelle: By OTFW, Berlin, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=194404398
