Statement des DIW Berlin vom 11. September 2025.
Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat heute beschlossen, die Leitzinsen vorerst unverändert zu lassen. Dazu eine Einschätzung von Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin):
„Die
Entscheidung der EZB, die Zinsen unverändert zu lassen, ist nicht überraschend,
birgt jedoch Risiken. Die wirtschaftlichen Unsicherheiten sind nach wie vor
groß. Es ist deutlich wahrscheinlicher, dass die Inflation in den kommenden
zwei Jahren zu stark sinkt, als dass sie erneut ansteigt. Eine vorsorgliche und
absichernde Zinssenkung wäre daher zu diesem Zeitpunkt vertretbar gewesen –
zumal die US-Notenbank ihre Zinsen in der kommenden Woche voraussichtlich
ebenfalls senken wird.
Die Konjunktur im Euroraum, insbesondere in Deutschland, entwickelt sich
weiterhin enttäuschend. Kriege, Handelskonflikte und die hohe politische
Unsicherheit – insbesondere in Frankreich – könnten die Konjunktur zusätzlich
belasten und weitere Zinssenkungen erforderlich machen. Die EZB wird dabei mit
direkter Unterstützung für die französische Regierung und deren Schuldenproblem
zurückhaltend sein. Im Falle von Turbulenzen an den Kapitalmärkten dürfte sie
jedoch zweifellos eingreifen.“
Fotoquelle: TP Presseagentur Berlin
