Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat heute beschlossen, den Leitzins auf nun 2,5 Prozent zu erhöhen. Dazu eine Einschätzung von Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin):
„Die EZB hat mit der Zinserhöhung einen notwendigen
Schritt getan, um die Inflationserwartungen zu stabilisieren und ihre
Glaubwürdigkeit zu schützen. Allerdings dürfte die Zinserhöhung nichts
Substanzielles an der derzeit hohen Inflation ändern – auch nicht über das
kommende Jahr. Denn die Inflation ist fast ausschließlich durch den
Energiepreisschock infolge des Krieges im Nahen Osten verursacht worden. Gegen
solch einen externen Schock hat die EZB nicht wirklich etwas in der Hand.
Die Inflationserwartungen im Euroraum sind zwar noch gut verankert, aber die
EZB verschafft sich mit dem heutigen Schritt eine bessere Absicherung gegen
mögliche Zweitrundeneffekte durch Unternehmen und Gewerkschaften. Sie sendet
ein Signal an alle wirtschaftlichen Akteure, dass sie ihr Ziel der
Preisstabilität ernst nimmt und dafür auch gewillt ist, die Wirtschaft im
Euroraum zu bremsen.
Die EZB hält sich völlig zu Recht alle Optionen für die Zukunft offen, denn die
Unsicherheit ist enorm hoch. Eine erneute Eskalation des Konflikts im Nahen
Osten könnte die Energiepreise und damit die Inflation noch deutlich weiter
erhöhen.
Allerdings ist Vorsicht geboten, den Bogen nicht zu überspannen. Denn die
langfristigen Zinsen sind vor allem wegen der Zweifel von Wirtschaft und
Märkten an der Handlungsfähigkeit der Politik – nicht nur, aber vor allem in
den USA – deutlich gestiegen. Das reduziert den Druck auf die EZB, die Zinsen
noch deutlich weiter zu erhöhen.“
