Frank Ebert trauert um Martin Gutzeit.

In Gedenken an den ehemaligen Berliner Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen.

Berlin, 16. September 2026 – Der Berliner Aufarbeitungsbeauftragte (BAB) Frank Ebert und sein Team trauern um Martin Gutzeit, der am 15. September 2026 im Alter von 74 Jahren gestorben ist. Mit ihm verliert Berlin einen herausragenden Akteur der Friedlichen Revolution und der Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Schon als Jugendlicher verweigerte der Cottbuser Pfarrerssohn dem SED-Regime den Gehorsam. Als Pazifist lehnte er jeglichen Dienst in der Nationalen Volksarmee der DDR ab und beschäftigte sich mit der Frage, wie diktatorischer Machterhalt funktioniert und überwunden werden kann. Seit den 1980ern in der Opposition aktiv, plante er gemeinsam mit Markus Meckel 1989 – damals noch konspirativ und bedroht von der Stasi – die Gründung einer Sozialdemokratischen Partei (SDP) in der DDR. In der staatssozialistischen Diktatur ausgerechnet eine sozialdemokratische Partei zu gründen, war eine ebenso mutige wie kluge Kampfansage an die SED und ihren Herrschaftsanspruch.

Mit Gründung der SDP in Schwante bei Berlin am 7. Oktober 1989 wurde Gutzeit gewähltes Vorstandsmitglied. Am Zentralen Runden Tisch setzte er sich besonders für die konsequente Auflösung des Staatssicherheitsdienstes ein. Im März 1990 wurde er Abgeordneter des ersten und einzigen frei gewählten Parlaments der DDR.

Überwindung und Aufarbeitung der SED-Diktatur dachte Martin Gutzeit stets zusammen. Bereits 1990 verstand er die Sicherung der Stasi-Unterlagen ebenso wie die Bewahrung von Dokumenten der Bürgerrechtsbewegung als historischen Auftrag. Mit der Deutschen Einheit setzte er sich auch auf parlamentarischer Ebene für eine systematische Aufarbeitung der Geschichte und Folgen der SED-Diktatur ein.

1992 wählte ihn das Berliner Abgeordnetenhaus zum Berliner Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR. Von Januar 1993 bis November 2017 leitete er die Behörde und prägte ihre Arbeit über fast 25 Jahre entscheidend.

Im Mittelpunkt seiner Arbeit standen die Aufklärung von Stasi-Verstrickungen und die Würdigung der Menschen, die unter der SED-Diktatur Verfolgung und Unrecht erfahren hatten. Gemeinsam mit seinem Team setzte er sich für ihre Anerkennung, Rehabilitierung und Entschädigung ein. Zugleich brachte er die öffentliche Aufklärung und Bildung über die SED-Diktatur voran und unterstützte Opfer- und Aufarbeitungsinitiativen.

Martin Gutzeit verstand die Aufarbeitung der SED-Diktatur stets als fortwährende demokratische Aufgabe. Für ihn war Freiheit in erster Linie auch Freiheit zur Verantwortung. Die Diktatur hatte den Menschen die Chance zur Verantwortung genommen und ihnen die Freiheit als Aufgabe vorenthalten. Beides zu verteidigen und ihre Werte zu vermitteln, waren für Gutzeit die vielleicht wichtigste Lehre aus den Erfahrungen von Diktatur und Unrecht.

Der Berliner Aufarbeitungsbeauftragte und sein Team werden Martin Gutzeit als originellen Denker, mutigen Oppositionellen und weitsichtigen Streiter für die Aufarbeitung der SED-Diktatur in dankbarer Erinnerung behalten.

Quelle: BAB

Fotoquelle: TP Presseagentur Berlin

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