Neue Straßen- und Grünflächenbezeichnungen erinnern an Frauen, deren Leben und Wirken für Freiheit, Menschenrechte und den Widerstand gegen Unterdrückung stehen.
Hamburg bekommt eine Esther-Bejarano-Straße und einen Jina-Mahsa-Amini-Park. Die Senatskommission für die Benennung von Verkehrsflächen hat auf Vorschlag der Bezirksversammlung Hamburg-Altona beschlossen, die Bergiusstraße zwischen der Großen Brunnenstraße und der Erdmannstraße nach der Aktivistin, Musikerin und Verfolgten des NS-Regimes Esther Bejarano umzubenennen. Die Bergiusstraße wird künftig den Namen Esther-Bejarano-Straße tragen.
Im Bezirk Hamburg-Nord wird der Ort, an dem das Denkmal „Jinas Beet“ einen dauerhaften Standort gefunden hat, nach Jina Mahsa Amini benannt. Die iranische Kurdin starb am 16. September 2022 in Teheran im Alter von 22 Jahren, nachdem die iranische „Sittenpolizei“ sie wegen „unislamischer Kleidung“ festgenommen und dabei schwer misshandelt hatte. In Gedenken an sie wird die Grünfläche zwischen der Meenkwiese und der Hudtwalckerstraße Jina-Mahsa-Amini-Park genannt.
Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Esther Bejarano und Jina Mahsa Amini stehen beide für den Mut, Unterdrückung entgegenzutreten und sich für Freiheit und Menschenwürde einzusetzen. Mit den Benennungen bewahren wir nicht nur die Erinnerung an zwei besondere Frauen, wir machen ihre Geschichten und das, wofür ihre Namen stehen, dauerhaft im Hamburger Stadtraum sichtbar. Ihre Lebensgeschichten erinnern uns zugleich daran, dass demokratische Werte und Freiheitsrechte niemals selbstverständlich sind und wir entschlossen für sie eintreten müssen.“
Über Esther Bejerano
Esther Bejarano (geboren als Esther Loewy am 15. Dezember 1924 in Saarlouis; gestorben am 10. Juli 2021 in Hamburg) war Überlebende der Shoah, Sängerin, Zeitzeugin, Aktivistin und langjährige Vorsitzende des Auschwitz-Komitees in der Bundesrepublik Deutschland e. V. Seit den 1960er-Jahren lebte sie in Hamburg. Als Jüdin war sie nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten zunehmender Verfolgung ausgesetzt. 1941 wurde sie in ein Zwangsarbeitslager gebracht und 1943 nach Auschwitz deportiert. Das Vernichtungslager überlebte sie, weil sie dort in das Mädchenorchester aufgenommen wurde. 1943 kam sie ins KZ Ravensbrück, wo sie Zwangsarbeit verrichten musste. 1945 gelang ihr während eines Todesmarsches die Flucht. Mit ihren Erinnerungen, ihrem politischen Engagement und ihrer Musik wurde sie weit über Hamburg hinaus zu einer der eindringlichsten Stimmen gegen das Vergessen und gegen Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus. Mit der Benennung der Straße nach Esther Bejarano wird an ihr Leben und ihr jahrzehntelanges Engagement erinnert.
Die Bergiusstraße wird aufgrund einer NS-Belastung des Chemikers und Unternehmers Friedrich Bergius umbenannt, die Dr. David Templin in seiner Studie „Wissenschaftliche Untersuchung zur NS-Belastung von Straßennamen“ festgestellt hat. Das Staatsarchiv hatte den Historiker 2017 mit der Untersuchung beauftragt.
Über Jina Mahsa Amini
Jina Mahsa Amini (geboren am 21. September 1999 in Saqqez, Iran; gestorben am 16. September 2022 in Teheran). Amini wurde von der sogenannten „Sittenpolizei“ in Teheran wegen angeblich nicht vorschriftsgemäßen Tragens ihres Kopftuchs festgenommen. Die Festnahme ging mit schwerer körperlicher Misshandlung einher. Infolgedessen fiel Amini ins Koma und starb drei Tage später. Ihr Tod löste im Iran eine breite Protestbewegung unter dem Slogan „Frau, Leben, Freiheit“ aus. Die iranische Regierung reagierte darauf mit massiver Gewalt. Unzählige Menschen, darunter viele Minderjährige, wurden Opfer der Brutalität des Regimes. Auf der ganzen Welt fanden Solidaritätskundgebungen statt. Mit der Verleihung des renommierten Sacharow-Preises ehrte das Europäische Parlament 2023 Jina Mahsa Amini und die Bewegung „Frau, Leben, Freiheit“ und erinnerte an alle, die für Gleichberechtigung, Würde und Freiheit im Iran kämpfen und die ihr Leben für die Freiheit geopfert haben.
Seit Mai 2026 erinnert das Denkmal „Jinas Beet“ in Winterhude an Jina Mahsa Amini und die Bewegung „Frau, Leben, Freiheit“. Der Ort, an dem das Denkmal seinen dauerhaften Standort gefunden hat, wird nun nach Jina Mahsa Amini benannt und setzt damit ein dauerhaftes Zeichen für Freiheit, Menschenrechte und zivilgesellschaftlichen Zusammenhalt.
