Zum BRICS-Gipfel und der geplanten Erweiterung des Bündnisses erklärt Jürgen Trittin, Sprecher für Außenpolitik von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag:
„Der Beschluss zur Erweiterung des BRICS-Bündnisses ist ein klares Signal gegen
die Ignoranz und Arroganz Europas gegenüber wichtigen Akteuren der Welt. Das
erklärte Ziel ist es, ein Gegengewicht zu den G7 und einer dollarbasierten
Weltwirtschaft zu schaffen. Dieses Signal müssen wir ernst nehmen.
Doch Europa und seine Verbündeten müssen die Erweiterung nicht fürchten. Hier
wächst nicht zusammen, was zusammengehört. Die beiden größten BRICS-Akteure
China und Indien sind in einen ungelösten und verschärften Grenzkonflikt
verwickelt und, führen einen partiellen Wirtschaftskrieg gegeneinander, und
sind doch voneinander abhängig.
Krisen und Konflikte prägen die Situation vieler Beitrittskandidaten. In
Äthiopien starben in den letzten beiden Jahren Hunderttausende Menschen. Der
Konflikt ist noch nicht befriedet. Argentinien wird von einer Hyperinflation
heimgesucht. Das klerikale Regime in Iran wird von einer Volksbewegung
herausgefordert und hält sich nur mit brutaler Gewalt an der Macht.
Saudi-Arabien erschießt nach neuesten Berichten äthiopische Flüchtlinge zu
Hunderten an der Grenze. Diese Widersprüche und Krisen dürften die Fähigkeit,
eine handlungsfähige Alternative zu den G20 zu schaffen, deutlich begrenzen.
Bitter ist aber vor allem, dass das Gewicht der Demokratien unter den BRICS mit
den Beitritten gemindert wird. Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen
Emirate, Iran, aber auch Ägypten, stehen in enger autokratischer Verbundenheit
mit Russland und China. Damit sinkt das Gewicht von Demokratien wie Südafrika,
Brasilien und Indien – trotz des Beitritts von Argentinien.
Europa muss in dieser Lage durch Angebote zur politischen wie wirtschaftlichen
Zusammenarbeit deutlich machen, dass es die bessere Alternative zu einer reinen
Negativkoalition gegen einen vermeintlich dominanten Westen ist. Die
Außenpolitik von Außenministerin Baerbock und Kanzler Scholz weist hier in die
richtige Richtung.
Kein Knicks vor BRICS, Angebote statt Ablehnung ist das Gebot der Stunde.“
Fotoquelle: TP Presseagentur Berlin
