Internationale Strafverfolgungsbehörden mobilisieren erneut erfolgreich gegen DDoS-Plattformen: Haftbefehl gegen im Ausland aufhältigen Deutschen ++ Mehrere Festnahmen in Polen.
Pressemitteilung Datum: 16. April 2026.
Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main – Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) – und das Bundeskriminalamt (BKA) sind in einer international abgestimmten Aktion gemeinsam mit Strafverfolgungsbehörden aus insgesamt 21 Ländern erneut gegen Cyberkriminalität vorgegangen. Im Mittelpunkt der von Europol unterstützten Operation „Power Off“ stehen sogenannte Stresserdienste. Diese kriminellen Services ermöglichen Nutzern auch ohne tiefergehende technische Fähigkeiten gegen Entgelt das Ausführen von Überlastungsangriffen (sogenannte DDoS-Attacken). Dabei werden Opfersysteme gezielt so überlastet, dass deren Inhalte zeitweise nicht erreichbar sind. Webseiten oder -dienste fallen in der Folge aus, was zu erheblichen wirtschaftlichen Schäden bei betroffenen Unternehmen und potenziell zu Ausfällen kritischer Infrastrukturen führen kann. Bei den schwerpunktmäßig in dieser Woche erfolgten Maßnahmen sind Strafverfolgungsbehörden weltweit sowohl gegen inkriminierte IT-Infrastrukturen als auch gegen Tatverdächtige vorgegangen. International fanden 16 Durchsuchungen, unter anderem in Polen und Brasilien statt.
In einem bei der ZIT geführten Verfahren wird dem Beschuldigten vorgeworfen, zwei der weltweit bedeutendsten Stresserdienste („Fluxstress“ und „Netdowner“) betrieben zu haben.Der Beschuldigte ist deutscher Staatsbürger und befindet sich derzeit in Gewahrsam der thailändischen Behörden. Gegen ihn liegt in Deutschland ein Haftbefehl wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betreibens einer kriminellen Handelsplattform im Internet gemäß § 127 des Strafgesetzbuchs vor. Im Zuge der Maßnahmen konnten die benannten Dienste unschädlich gemacht werden. Dabei wurden mehr als 40 Server mit dem deutschen Beschuldigten in Verbindung gebracht und sichergestellt. Die gewonnenen Daten können für weitere Ermittlungen gegen kriminelle Nutzer der Plattformen genutzt werden.Darüber hinaus wurden durch die beteiligten Länder über 150 Maßnahmen gegen inkriminierte Infrastrukturen vollzogen und zahlreiche weitere Stresserdienste unschädlich gemacht. Durch die polnischen Behörden wurden in einem dort geführten Ermittlungsverfahren zudem zwei mutmaßliche Administratoren und ein weiterer Tatbeteiligter festgenommen.
Seit Beginn
der Operation Power Off
haben die beteiligten Strafverfolgungsbehörden Hinweise auf mehr als
drei Millionen Nutzerdaten mit kriminellen Bezügen gewonnen.Neben
strafprozessualen finden weltweit auch umfassende präventive Maßnahmen statt.
Die deutschen Behörden werden mehr als 50.000 Nutzende der vom Netz
genommenen Dienste kontaktieren und auf die mögliche Strafbarkeit ihrer
Handlungen aufmerksam machen. Darüber
hinaus schalten die Behörden über 50 szenetypische Kommunikationsplattformen
ab, die in engem Zusammenhang mit den kriminellen Dienstleistungen genutzt
wurden. Diese Maßnahmen wurden durch einen zielgruppengerechten animierten
Film flankiert, der ebenfalls die Strafbarkeit der Handlungen herausstellt.
Carsten Meywirth, Direktor beim Bundeskriminalamt und Leiter der Abteilung Cybercrime:
„Mit unserem jüngsten Sprint im Zuge der langfristig angelegten Operation „Power Off“ sind wir erneut wirksam gegen mehrere Stresserdienste vorgegangen. Diese ermöglichten Überlastungsangriffe, die aus ganz unterschiedlichen Motiven gefahren werden: Haktivistische Gruppierungen versuchen unsere Gesellschaft unter Druck zu setzen, Online-Gamer versprechen sich Wettbewerbsvorteile. Das Stören fremder Systeme ist jedoch kein Spiel. Der Arm des Gesetzes greift deshalb auch in der virtuellen Welt durch und holt immer mehr Verantwortliche aus dem Schutz der vermeintlichen Anonymität. Dafür setzen wir auch in Zukunft auf eine enge Zusammenarbeit mit unseren internationalen Partnern. Das Betreiben und Nutzen von Stresserdiensten ist strafbar und zieht spürbare Konsequenzen nach sich. Cybercrime lohnt sich nicht.“
Dr. Benjamin Krause, Leiter der ZIT:
„Mit den
durchgeführten Maßnahmen konnten wir erneut einen Schlag gegen die
Infrastruktur der Underground Economy landen, diesmal im Bereich der
Stresserdienste. Hervorzuheben ist die Identifizierung des deutschen
Beschuldigten. Dies zeigt erneut die Möglichkeiten einer
effizienten Strafverfolgung im Bereich des Cybercrime.Gerade jüngere Beschuldigte, unter
anderem. in der Gaming-Szene, nutzen häufig Stresserdienste als
vermeintlich harmlosen Spaß oder um sich Vorteile in Spielen zu verschaffen. Es
muss hier klar betont werden, dass es sich hierbei um Straftaten handelt.
Solche Taten stellen eines der häufigsten „Einstiegsdelikte“ und die
entsprechenden Dienste das Einstiegstor in die Underground Economy für junge Cyberkriminelle
dar.“
Ein
sogenannter Stresser-Dienst ist eine webbasierte Plattform, die ihren Kunden
gezielte Überlastungsangriffe auf Webseiten, sogenannte Distributed
Denial-of-Service-Angriffe (DDoS),
und andere webbasierte Services anbietet. Stresser-Dienste eröffnen insofern
die schnelle und einfache Möglichkeit, DDoS-Angriffe auch ohne
tiefergehende technische Fähigkeiten durchzuführen. Dies hat zur Folge, dass
DDoS-Angriffe einem breiten Nutzerkreis
zugänglich gemacht werden.Die Motive der Cyberkriminellen hinter DDoS-Angriffen
sind unterschiedlich. Dazu zählen Wirtschaftssabotage und das Erzielen
finanzieller Gewinne, die Verschleierung anderer Cyber-
Angriffe, aber auch das Verschaffen eigener Wettbewerbsvorteile beim Online-Gaming. Daneben gibt es
politisch-ideologische Motive, wie etwa bei sogenannten
hacktivistischen Tätergruppierungen. Solche Hacktivisten-Kollektive sind
für eine Reihe von DDoS-Angriffen verantwortlich, die sich sowohl gegen
bundes- als auch europaweite Internetpräsenzen, vor allem in den Bereichen
Sicherheit, Infrastruktur und Finanzen richten.
Im Rahmen der seit 2018 laufenden und durch Europol und das Europäische Zentrum für Cyberkriminalität (EC3) unterstützten internationalen Operation „Power Off“ konnte bereits eine Vielzahl von entsprechenden Dienstleistungs-Plattformen für DDoS-Angriffe identifiziert und vom Netz genommen werden. Zur nachhaltigen Bekämpfung der von Stresser-Diensten ausgehenden Gefahr werden die repressiven Maßnahmen auch von präventiven Maßnahmen flankiert, die insbesondere junge Menschen von cyberkriminellen Aktivitäten abschrecken sollen.
Weitere Informationen sind auf der BKA-Webseite unter folgendem Link abrufbar:
