Berlinale duldet keine Kritiker vor ihren Kulissen.

Als am vergangenen Freitag die Proteste der Kino-MitarbeiterInnen gegen ihre schlechte Bezahlung in den Berliner Kinos begannen, nahmen wir dies auch zum Anlass den ver-di-Verhandlungsführer Jörg Reichel vor der Hintergrundkulisse des sog. Berlinale-Palastes zu interviewen. Wir befanden uns noch vor dem abgesperrten Areal und nicht mehr auf Straßengelände, das ohnehin zu diesem Zeitpunkt nicht befahren wurde. Also sozusagen auf exterritorialem Gebiet.

Nach knapp einer Minute wurden wir von einer Security-Mitarbeiterin der Berlinale aufgefordert das Interview zu beenden. Dieser „Bitte“ kamen wir auch sofort nach (siehe Video), weil wir in diesem Moment noch nicht den Grund der Aufforderung nachvollziehen konnten.

Nach Überprüfung unseres Videos wandten wir uns am Samstag an die Berlinale und machten deutlich, dass wir das als eine Behinderung der Berichterstattung sehen würden und künftig nicht mehr hinnehmen wollen, da nach unseren Informationen auch mit öffentlich-rechtlichen Sendern so verfahren wurde, ohne dass von diesen in irgendeiner Art und Weise der Verkehr behindert wurde. Nach Überprüfung unseres Videos auch von uns nicht.

Die Berlinale will offensichtlich nur Schönwetter-Bilder sehen.

Nachdem zunächst versucht wurde uns mit einem Telefonat und Ausreden abzuspeisen, verlangten wir eine schriftliche Antwort, zumal wir ebenfalls aufgefordert wurden das Anliegen per E-Mail vorzutragen.

Was wir auch taten:

„Bei der gestrigen Berichterstattung über den Streik von ver.di sind wir von einer weiblichen Mitarbeiterin der Berlinale abrupt aufgefordert worden das Filmen einzustellen. Die Situation ist im ersten Video des beigefügten Beitrages deutlich erkenn- und nachvollziehbar.

http://tp-presseagentur.de/pfeifkonzert-vor-dem-berlinale-palast-in-berlin/

Das empfinden wir als eine massive Behinderung der Berichterstattung.

Wir befanden uns zu keinem Zeitpunkt hinter irgendwelchen Absperrungen, so dass hier kein Grund vorlag das Filmen einzustellen und uns verbieten zu lassen.

Wir bitten um Klärung der Angelegenheit und weisen darauf hin, dass wir das künftig nicht hinnehmen wollen und werden.“

Gestern Abend kam dann die „erzwungene“ Antwort der Berlinale per Mail:

„Wie ich schon telefonisch mitgeteilt habe, standen sie gestern auf Straßengelände, das von Autos befahren wird. Daher hatte Sie die Security gebeten, die Position zu verändern. Bitte achten Sie heute darauf dass Sie sich nicht wieder dort stehen bzw. können Sie sich auch vor Ort bei den Ordnungskräften erkundigen, wo sie sich positionieren können, ohne dass Sie durch Autovorfahrten unterbrochen werden.“

Aus dem Video geht am Ende klar hervor, dass wir aufgefordert wurden das Interview zu beenden aufgrund einer Anordnung und nicht gebeten wurden, die Position zu verändern.

Straßenverkehr ist und war auch in keiner Weise sichtbar. Auch gestern nicht. Autos waren auch weit und breit nicht zu sehen. Es fehlte gerade noch, dass wir bei „Ordnungskräften“ Erkundigungen einzuholen haben, wo wir uns positionieren können, solange wir uns, ohne andere und uns zu gefährden, korrekt verhalten. Das haben wir auch am Freitag getan.

Proteste der Kino-MitarbeiterInnen sind offensichtlich schlecht für’s Geschäft. Diese Proteste sollen daher nach Ansicht der Berlinale möglichst weit weg von den Kulissen der Berlinale stattfinden.

Am Samstag gingen die Proteste nichtsdestotrotz weiter. Auch gegenüber dem Ritz-Carlton-Hotel am Potsdamer Platz, in dem sich die Filmschaffenden zu einer großen Party einfanden.

Eine Schauspielerin zeigte gegenüber der TP Presseagentur Verständnis für die Proteste der Streikenden und bezeichnete sie als „richtig“.

Fotoquelle/Collage/Videos: TP Presseagentur Berlin

Pfeifkonzert vor dem Berlinale-Palast in Berlin.

Eine Antwort

  1. Die „Berlinale“ beruft sich wohl dabei auf alternative Fakten.
    Als ein Unternehmen der Bundesregierung nutzt sie die Diktion des Bundespresseamtes. Und wie man liest, gekonnt.

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