Der BER bleibt die Baustelle Nr. 1 unserer Hauptstadt.

TP-Interview mit dem Fraktionsvorsitzenden der FDP im Berliner Abgeordnetenhaus Sebastian Czaja über die Flughafen-Misere in Berlin.

TP: Herr Czaja, Klaus Wowereit besteht auf die Schließung von Tegel.

Czaja: Herr Wowereit?

TP: Ja, das hat er letztes Jahr uns gegenüber bekundet. Tegel müsse dichtgemacht werden, sagte er. Zu seiner Zeit wurde ja beschlossen, dass Tegel weg müsse. Prognostisch gefragt: Wird Tegel bleiben oder dichtgemacht werden (müssen)?

Czaja: Berlin braucht Tegel schlicht und einfach. Er ist die entscheidende Entlastung für einen BER, der bereits mit der Eröffnung seine Kapazitäten erreicht haben wird und für den Berliner Südosten und das Brandenburger Umland einen täglichen Verkehrskollaps mit sich bringt. Deshalb haben sich auch fast eine Million Berlinerinnen und Berliner für den Erhalt des Flughafens ausgesprochen. Es wäre deswegen auch Aufgabe der Linkskoalition gewesen, das Votum umzusetzen und die Notwendigkeiten für den Luftverkehrsstandort Berlin-Brandenburg zu erkennen.

TP: Muss sich Berlin tatsächlich an dieses Votum halten – schließlich war längst beschlossen, dass Tegel geschlossen wird?

Czaja: Das Votum hat die Geschäftsgrundlage geändert und unterstreicht noch einmal die Notwendigkeit dieser Infrastruktur. Auch wenn der BER aufmacht, bleibt er die Baustelle Nr. 1 unserer Hauptstadt Der zusammengeschusterte Masterplan 2040 ist zudem nicht die richtige Antwort auf die Anforderungen der Zukunft.

TP: Aber Tegel ist doch eine erhebliche Lärmbelästigung für die Anwohner dort.

Czaja: Die heutige Lärmbelastung der Anwohnerinnen und Anwohner ist klar mit dem BER verbunden. Der Senat hat diesen akuten Zustand bis zuletzt bewusst ignoriert. Es ist richtig, dass die Anwohner ab dem 1.1.2020 einen verbindlichen Rechtsanspruch auf Lärmschutz haben, der Ihnen höhere Lärmschutzstandards und bessere Lärmschutzmaßnahmen zugesteht. Dafür sollte das Land Berlin schon jetzt die Mittel zur Verfügung stellen: Ich möchte nicht erleben, dass am Flughafen Tegel die Bürger um ihr Recht auf Lärmschutz kämpfen müssen wie am BER.

TP: Am Kurt-Schumacher-Platz fliegen ja die Flugzeuge nach Tegel so tief, dass man sich fragt, wie Schallschutz gewährleistet werden kann. Müssen die Flugzeuge mit Schalldämpfern ausgerüstet werden?

Czaja: Am Kurt-Schumacher-Platz haben wir mit den größten Zuspruch für die Offenhaltung von Tegel erfahren. Um es klar zu sagen: Wir wollen kein TXL von heute, sondern mit 10 bis 15 Millionen Passagieren jährlich mit innereuropäischen Punkt-zu-Punkt-Flügen. Wenn der Flughafen Tegel im Parallelbetrieb zum BER bleibt, dann operiert er nicht mehr an der Belastungsgrenze und wir haben 50 Prozent weniger Starts und Landungen als jetzt. Das ist eine massive Entlastung für die Anwohner.  Zudem brauchen wir Anreize für den Einsatz moderner und emissionsarmer Maschinen. Darum sollte man darüber nachdenken, den Airlines eine Abgabeordnung wie in Frankfurt/Main vorzulegen. Wer mit Emissions-Schleudern startet und landet, muss eben höhere Gebühren zahlen. Dann wird’s unattraktiv für die Airlines.

Interview: TP Presseagentur Berlin/dj

Fotoquelle und Collage: TP Presseagentur Berlin

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