VERNISSAGEN IN STUTTGART UND BERLIN.

Werke von Willy Wiedemann, Raffaela Zenoni und Axel Venn werden in Stuttgart und Berlin ausgestellt.

FR. 8.11. in der Galerie Wiedmann in Stuttgart/Bad Cannstatt.

Sa. 9.11. im Atelier Kunstraum in Berlin/Friedenau.

Ausstellungsdauer 8.11.2019 – 18.1.2020.

Raffaela Zenoni und Axel Venn sind sich sicher, würde Willy Wiedmann noch leben, stünden sie in regem Kontakt mit ihm. Eine Zusammenarbeit wäre für sie naheliegend. Sie würden mit ihm voller Freude gemeinsam eintauchen in sein riesiges Lebenswerk, das er als Musiker, Komponist, bildender Künstler, Kirchenmaler, Galerist und Kulturförderer in den 84 Jahren seines Lebens geschaffen hat. Für seine außerordentlichen Verdienste erhielt er 2002 das Bundesverdienstkreuz. Ein dichtes Leben, das seine Krönung in der Schaffung der WIEDMANN BIBEL fand. Diese umfasst unglaubliche 3333 Einzelbilder aus dem Alten wie auch Neuen Testament.

Axel Venn und Raffaela Zenoni wohnen in der gleichen Straße in Berlin. Die räumliche Nähe ist Thema ihres Schaffens, das sich in ihren Werkbegegnungen manifestiert.«Wir müssen nie suchen, wenn wir Ausstellungen vorbereiten. Es ist einfach alles da und passt. Und immer geht es weiter.» Axel Venn malt in seinem Atelier, Raffaela Zenoni in ihrem. Sie besuchen sich gegenseitig und stellen fest: Ihre Werke kommunizieren nicht nur miteinander, sie gehören zusammen.

Und jetzt der neue Impuls durch den verstorbenen Künstler Willy Wiedmann der diese Symbiose erweitert und neu inspiriert hat.

Wenn in Stuttgart und Berlin die Bilder der drei Kunstschaffenden nebeneinander oder sich gegenüber hängen, fängt es im Raum an zu schwingen, wird die gemeinsame Haltung erlebbar. Ihre Werke nehmen einander nichts weg an Raum oder Aufmerksamkeit. Die Bilder kommunizieren miteinander, sie gehören zusammen. Das Zusammenspiel, die verschiedenen Malstile, der Techniken und der andere Duktus, lassen eine Situation entstehen, die offen in alle Richtungen bleibt.

Vielleicht hat das auch mit jenem Respekt zu tun, den Axel Venn und Raffaela Zenoni voreinander und den Menschen allgemein haben. Das war schon bei Willy Wiedmann nicht anders, den eine besondere Philosophie und Lebenshaltung auszeichnete, die sich wiederum in seinem Bibelwerk offenbarte.

Alle drei leben (oder lebten) diesen Respekt – nicht nur – aber auch in der Kunst. Und vielleicht genauso wichtig in ihrer Kreativität ist der Humor. Raffaela Zenoni und Axel Venn lachen oft zusammen, eine wichtige Verbindung zwischen den beiden. Willy Wiedmann hatte auch eine ganz besondere Art von Humor. Seine zahlreichen Pseudonyme geben dem Ausdruck. Allen voran sein Pseudonym Emilio Gräsli.

Dazu kommt das Philosophieren. Es ist für sie oft auch ein Abtauchen in eine positive, pazifistische Grundhaltung.

Diese Übereinstimmungen der 3 Künstler sind verantwortlich für die große Harmonie ihrer Werke untereinander. Die Bildkompositionen der abstrakten Werke, die nicht am Bildrand enden wollen, sondern unendlich weiter zugehen scheinen, sind für Axel Venn, Raffaela Zenoni und Willy Wiedmann das große gemeinsam Thema. Alle drei haben die Faszination und Leichtigkeit der Farben gemeinsam. Sie bilden nichts real Gegenständliches ab, dass eine Begrenzung auf das Abbildungsformat erfordert, sondern fangen Stimmungen und Emotionen ein, um sie expressiv, flüchtig oder präzise in unterschiedlichem Duktus auf der Leinwand fest zuhalten.

Axel Venn, Raffaela Zenoni und Willy Wiedmann zogen sehr oft die Inspirationen für ihre abstrakten Gemälden aus der Musik. 

Bei Willy Wiedmann sind seine Kompositionen, die Musik, die Auseinandersetzung mit dem Universum und der Unendlichkeit der Ursprung seiner Polykonmalerei  Er schrieb dazu:

„Der psychische Kern, der in allem Künstlerischen einwirkt, gilt dem mentalen Anlass zur Wirksamkeit und lässt somit einen Traum entstehen, der dem Charakter des Schwebenden entspricht.
Man könnte dies auch als sogenannte „schwerelose Kunst“ deklarieren. Da ich aber formal an eine bestimmte Größe gebunden bin, nannte ich sie kurz „Polykone Malerei

(= Vieltafelmalerei – poly = viel, ikon = Tafel (griechisch)).“ 

Die Künstler

Willy Wiedmann (1929 – 2013)

Willy Wiedmann: Selbstporträt

Willy Wiedmann war ein Universalgenie auf dem Gebiet mehrerer Künste. Es begann mit dem Studium der Musik und Kompositionslehre an der Musikhochschule in Stuttgart. Nach Beendigung dessen studierte er an der Kunstakademie Stuttgart bei Professor Wildemann, der die Baumeister Klasse übernahm, Malerei und Bildhauerei.

Schnell entwickelte Willy Wiedmann eine eigenständige Formensprache, die er selbst als Polykonmalerei bezeichnete. Es ist das rhythmische Zusammenspiel von Musik und Malerei. Er leitete den Begriff aus dem Griechischen pole = viel und ikon =  Tafel ab.

Seine Malerei entsprang der Sehnsucht, die beherrschende informelle Kunst der 1950er Jahren aufzugeben und nach festen und klaren Formen und Farben zu suchen. Zeitgleich begannen die Stuttgarter Maler Georg Karl Pfahler, Herbert Otto Hajek und Anton Stankowski ebenfalls mit Winkeln und Farbflächen zu experimentieren. Anfang der 60er Jahre entstand daraus eine Stuttgarter Schule, die weltweit Anerkennung erreichte und sich als moderne Fortführung des Bauhauses verstand: Bill, Stankowsky Hajek, Pfahler, Dreher, Wiedmann. Willy Wiedmanns Kunstbegriff der Polykonen Malerei umschreibt die damals avantgardistischen Tendenzen seiner Zeit. Damit umfasst sie gleichzeitig das Anfang 1960 von Amerika nach Europa kommende  „Color Field Painting“.

Diesen avantgardistischen und völlig abstrakten Malstil überwindet Willy Wiedmann, indem er ihn weiterentwickelt und befähigt Gegenstände, Menschen und Geschichten damit darzustellen und zu erzählen.

In Vollendung zeigt er seinem Polykonstil, das Wunder einer neuen künstlerischen Sprache, die aus geometrischen Formen entspringt, in seinem Lebenswerk der WIEDMANN BIBEL. Sie umfasst bei einer Länge von mehr als 1 km 3333 Einzelbilder in 19 Bänden in Leporelloform.

Außer diesem weltweit einzigartigen Oeuvre der WIEDMANN BIBEL hat Willy Wiedmann zahlreiche Themenreihen im Polykonen Malstil auf Papier gearbeitet und große Bildreihen auf Leinwand gemalt, die Polykonen Sinfonien.

Seinem Ideenreichtum, seinem Humor und seiner breiten künstlerischen Begabung ist es zuzuschreiben, dass er unter zahlreichen Pseudonymen gearbeitet hat. Die Pseudonyme, die alle ihre eigene Geschichte haben, malten, zeichneten und schrieben in den unterschiedlichsten Stilrichtungen. Gedichte, Hörspiele und Kurzgeschichten schrieb Willy Wiedmann als Alkibiades Zickle.

Der Künstler Willy Wiedmann versteckte sich hinter seinen Pseudonymen um seine unglaubliche Vielseitigkeit ausleben zu können. Heute haben die Künstler die Freiheit sich unterschiedlicher Malstile zu bedienen. Früher führte das eher zu Verwirrungen und Nichtakzeptanz.

Den Polykonen Malstil zeichnete er zeitlebens unter Willy Wiedmann.

1929​​ geb. in Karlsruhe Ettlingen

1950 –  1954​ Studium Orchesterfach an der Staatlichen Musikhochschule Stuttgart

1954 – 1958​  Studium Komposition an der Staatlichen Musikhochschule Stuttgart

1954 – 1964 ​Freier Mitarbeiter als Musiker und Komponist am Württembergischen Staatstheater Stuttgart

1960 – 1963​ Studium der Malerei und Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste Stuttgart bei Prof. Wildemann

1965 Ausarbeitung der Polykonmalerei, erste Ausstellungen in Stuttgart und später international

1982 Komplette Ausmalung der Pauluskirche in Stuttgart Zuffenhausen

1984 – 2000​ entsteht die „WIEDMANN BIBEL“, die längste Künstlerbibel der Welt​

2002 Ausgezeichnet mit dem Bundesverdienstkreuz für Kunst und Kultur

2013 gest. in Stuttgart Bad Cannstatt

Axel Venn

Axel Venn: Congratulations Barbara

Axel Venn studierte an der Folkwangschule für Gestaltung in Essen bei Prof. E. Hitzberger Design und freie Komposition. Er lebt und arbeitet in Berlin.

Der em. Professor für Farbgestaltung und Trendscouting an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst, Fakultät Gestaltung, Hildesheim ist häufiger Gastredner an zahlreichen Universitäten weltweit.

Er ist Farbforscher, Designer und Farbkünstler. Seit Jahren forscht er über und gestaltet mit Farben. Er flaniert zwischen den Welten von Wahrnehmung, Wirkung und Realität. Jeder Aspekt  besitzt eine autarke Wahrheit. Farben und Formen haben ihre eigenständigen metasprachlichen, individuellen und kollektiven Inhalte.

Viele seiner gestalterischen Arbeiten beschäftigen sich mit Produkt-, Interieur- und dem Flächendesign. Er hat von der Zahnbürste bis zum Kaffeekocher, vom Automobil-Interieur bis hin zu komplexen Faser- und Garntypen, sowie Messestände und Interior-Designs oder internationale  Gestaltungsprojekte für Industrie und Handel entwickelt.

Ein Großteil seiner Tätigkeit widmet er auch in seinen Veröffentlichungen dem wissenschaftsfundierten, strategischen Trendscouting und den Auswirkungen auf die Gesellschaft, die Ökonomie und das Design.

Zeitweise lebte und arbeitete Axel Venn in Belgien und Frankreich. Er genießt internationales Renommee als Farb- Trend- und Ästhetikmentor und ist u. a. tätig als ständiger Mitarbeiter für Organisationen, Verbände, Industrie- und Handelsunternehmen, Messe- und Beratungsgesellschaften.

Axel Venn ist Ehrenvorsitzender des Deutschen Farbenzentrums e.V., Wuppertal. Er entwickelt Produktprogramme für die Fliesen- und Betonstein-Industrie, Glasindustrie, Kollektionen für den Sonnenschutzbereich und Programme für Wand- und Oberflächenhersteller. Oder er kreiert Zahnbürsten, neue Bürofarbigkeiten und Industrieprodukte, er konzipiert innovative Designphilosophien und Messeauftritte für verschiedene Unternehmen. Er ist enger Mitarbeiter bei RAL gGmbH, St. Augustin.

Im Laufe seiner gestalterischen Tätigkeit wurden Axel Venns Arbeiten mit Designpreisen und Innovation Awards ausgezeichnet. Er veröffentlichte mehr als 25 Bücher, bisher in 12 Sprachen übersetzt und hunderte Fachaufsätze und Kolumnen.

„Also nehme ich mir die Freiheit, Millionen von Nuancen zu akzeptieren und als die meinen zu adoptieren. Dazu gehören auch die per Gerichtsbeschluss annektierten Farbtöne. Als Enthusiasmierter finde ich farbdogmatisches Fühlen und Denken nicht zielführend. Farben sind das Elixier, die Triebfeder und die Keimzelle der Erkenntnis von Sinnlichkeit, Schönheit, Tag und Nacht, Freude und Losgelöstheit und der ganzen Vielfalt unseres Daseins.“ Sagt der Künstler Axel Venn.

Seine Bilder, großformatige Farbabstraktionen zeigen nur selten in sich abgeschlossene Szenerien. Er zieht All-Over-Sichten vor, die weit über die Bildformate hinaus ihre Fühler ausstrecken. Die Malereien stoppen nur selten an den Rändern. Oben, unten, seitwärts denkt er über die Ränder hinaus.

Niemals endet der Kreis, ob Mond oder Sonne vor der Bildkante. Er zieht das Nicht-Enden-Wollen einer realistischen, „ordentlichen“ Sichtweise vor. Ein Bild stellt sich für ihn nicht als umschlossene Fläche dar. Es ist nichts anderes als ein offener, niemals endender Wegweiser.

Auf eine zeichnerische einengende Vorab-Skizzierung der Sujets verzichtet er. Während der Arbeit an der Staffelei kommt es häufig vor, dass die zuvor ersonnene Erzählung aus den Fugen gerät, da sich aufkommende neue Fragen nach Thematik, Ästhetik, Spannkraft oder Farbthema und Gestaltungsduktus auftun. Hinter dem prozessualen Vorgang verstecken sich unendlicher Freiheitsdrang und der Wille nach Unvoreingenommenheit und eines nicht einschränkenden, selbstgewählten Diktats.

Häufig vergeht eine langandauernde Periode bis zur Vollendung. Der Wirkungsprozess mit all seinen Schwierigkeiten, Enttäuschungen, Missvergnügen am Werden gehören zu den realen Erfahrungen, die den Schaffensablauf begleiten.Es geht ihm nie um die möglichst zügige Bild-Fertigstellung, sondern immer allein um die Lust an der Inszenierung und der gelungenen Umsetzung.

Raffaela Zenoni

Raffaela Zenoni: Juliette

In Altdorf (Uri) geboren und aufgewachsen, studiert Raffaela Zenoni zunächst Pädagogik- und Didaktik, bevor sie in den konsularischen Dienst des Schweizer Außenministeriums tritt. Ihre Arbeit führt sie durch die europäischen Weltstädte. Parallel dazu praktiziert sie zunächst autodidaktisch klassische und abstrakte Malerei. Während ihres Studiums, das sie als „Master of Fine Arts“ in Bern abschließt, entwickelt sie ihren persönlichen Malstil. Darin setzt sie ihre gereiften und gesammelten Erfahrungen um und überträgt sie in ihre eigene Ausdrucksform.

Ihre Arbeiten werden in zahlreichen Städten in Deutschland, Luxembourg und in der Schweiz ausgestellt. Die Werke von Raffaela Zenoni sind in Sammlungen in Belgien, Deutschland, Frankreich, Luxembourg, der Schweiz, Singapur und in den USA anzutreffen.

Raffaela Zenoni lebt und arbeitet in Berlin und Frankfurt am Main.

Raffaela Zenonis Werk pulsiert zwischen abstrahierender Aussage und konkreter Gestaltung, zwischen figürlicher Intensität und explosiver farblicher Darstellung. Die dadurch geschaffene Vielfalt an Perspektiven erlaubt es dem Betrachter, in einen zunehmend aktiven Dialog mit dieser mystischen Kunstwelt einzutauchen: „In jedem Bild entdecken wir eine umfangreiche Palette an Emotionen. Jeder Betrachter sieht in einem Werk das, was er selbst zulässt“, so die Künstlerin. „Es kommt zu einem angeregten, emotional tiefschürfenden Austausch zwischen Kunstwerk und Betrachter, welcher die gegenseitige Sehnsucht nach Weite, Raum und Resonanz reflektiert.“

Die Kompositionen sind großzügig angelegt, ihr expressiver Duktus lässt keinen Raum für Teilnahmslosigkeit und Indifferenz. Sie fordern den Betrachter heraus, er soll sich mit der unbändigen Energie der Gemälde auseinandersetzen, die durch ihre assoziative und symbolische Zeichenhaftigkeit Gedankenspiele des Betrachters erlauben, ja heraus- fordern.

Die Gestaltung der Werke vollzieht sich in längeren, intensiven schöpferischen Vorbereitungsphasen, in denen die Bilder Form und Farbe erhalten, um schließlich in einem Guss kreativer Umsetzung auf der Leinwand konkrete und endgültige Gestalt anzunehmen.

In den früheren Jahren überwog in ihrem Werke die gegenstandslose Malerei. Allerdings läßt sich die Künstlerin in der Frage einer figurativen, abstrahierenden oder ungegenständlichen Malerei nicht festlegen, wie überhaupt sie sich in kein ikonografisches Raster einordnen lassen will.

Uns scheint sie dabei vielleicht eher einem abstrakten, jedoch auch wiederum figurativen individuellen Expressionismus zuzuneigen. Manche ihrer Werke lassen sogar an den Fauvismus der Jahrhundertwende oder an die skandalträchtigen Jungen bzw. Neuen Wilden der 1980er Jahre erinnern. Heute sind alle Stile erlaubt mit allen denkbaren Durchmischungen, freier war die Malerei noch nie.

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