Veranstaltung mit Kultursenator Carsten Brosda zur Erschließung des Nachlasses.
Der persönliche Nachlass von Esther Bejarano ist jetzt im Archiv der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg (FZH) erschlossen und damit für Forschung, Bildung und öffentliche Erinnerung zugänglich gemacht worden. Die Behörde für Kultur und Medien hat die archivische Erschließung des Bestands mit 40.000 Euro gefördert. Im Rahmen der Vorlesungsreihe „Geschichte wird gemacht – Zeitgeschichtliche Projekte aus Hamburg“ wird das Projekt morgen in der FZH (Beim Schlump 83, Lesesaal) zusammen mit Kultursenator Carsten Brosda vorgestellt. Die Veranstaltung wird zusätzlich digital via Zoom übertragen.
Esther Bejarano (geboren als Esther Loewy am 15. Dezember 1924 in Saarlouis; gestorben am 10. Juli 2021 in Hamburg) war Überlebende der Shoah, Sängerin, Zeitzeugin, Aktivistin und langjährige Vorsitzende des Auschwitz-Komitees in der Bundesrepublik Deutschland e. V. Seit den 1960er-Jahren lebte sie in Hamburg. Mit ihren Erinnerungen, ihrem politischen Engagement und ihrer Musik wurde sie weit über Hamburg hinaus zu einer der eindringlichsten Stimmen gegen das Vergessen und gegen Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus.
Der Nachlass wurde 2023 auf Wunsch der Familie Bejarano und mit Unterstützung der Behörde für Kultur und Medien an die FZH übergeben. Er umfasst unter anderem amtliche Dokumente, private Korrespondenzen, Kalender, Auszeichnungen, Materialien aus dem Auschwitz-Komitee und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, Programme, Plakate, Fotos, Ton- und Filmmaterial, Noten und Liedtexte. In seiner Vielfalt dokumentiert der Bestand nicht nur eine außergewöhnliche Biografie, sondern auch die Entwicklung einer kritischen Erinnerungskultur in der Bundesrepublik und das jahrzehntelange Engagement gegen Antisemitismus, Rassismus und das Wiedererstarken neonazistischer Ideologien.
Kultursenator Dr. Carsten Brosda: „Esther Bejaranos Stimme gegen Antisemitismus, Rassismus und das Vergessen wirkt bis heute weit über Hamburg hinaus. Mit der Erschließung des Nachlasses von Esther Bejarano wird auch ein wichtiger Bestand der Hamburger Erinnerungskultur dauerhaft gesichert und öffentlich zugänglich gemacht. Das Wirken von Esther Bejarano bleibt damit auch für Forschung, Bildung und künftige Generationen erhalten. Mein Dank gilt der Familie Bejarano für das Vertrauen, diesen Nachlass der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg zu übergeben. Die Sicherung und öffentliche Zugänglichmachung solcher Zeugnisse ist gerade in einer Zeit wachsender geschichtsrevisionistischer und antisemitischer Tendenzen von besonderer Bedeutung.“
Prof. Dr. Kirsten Heinsohn, kommissarische Direktorin der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg: „Der Nachlass von Esther Bejarano bereichert unser Archiv mit wertvollen Unterlagen zur Lebensgeschichte einer mutigen Frau und streitbaren Zeitzeugin. Bereits seit mehr als 20 Jahren gibt es lebensgeschichtliche Interviews mit ihr in unserer Werkstatt der Erinnerung. Ich freue mich, dass nun auch der persönliche Nachlass der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung steht. Wir danken Herrn Senator Dr. Brosda und der Behörde für Kultur und Medien für die großzügige Förderung.“
Am Donnerstag, 28. Mai 2026, findet von 18:30 bis 20:00 Uhr in der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg (Beim Schlump 83, Lesesaal) die Veranstaltung „Was bleibt – Der Nachlass von Esther Bejarano im Archiv der FZH“ im Rahmen der Vorlesungsreihe „Geschichte wird gemacht – Zeitgeschichtliche Projekte aus Hamburg“ statt. Kultursenator Dr. Carsten Brosda wird ein Grußwort sprechen. Kirsten Schaper und Sybille Baumbach (beide FZH) diskutieren mit Prof. Dr. Oliver von Wrochem (Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte) über Übernahme, Erschließung und Bedeutung des Nachlasses. Die Veranstaltung wird zusätzlich digital via Zoom übertragen.
Weitere Infos: https://zeitgeschichte-hamburg.de/veranstaltung-detail/vortragsreihe-11.html
Foto: Esther Bejarano mit Moshe Zuckermann
Fotoquelle: TP Presseagentur Berlin
