„So sehen Sieger aus! Und schon an dieser Stelle: Herzlichen Glückwunsch an Sie alle zu Ihren Erfolgen!“.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei der Verleihung des Silbernen Lorbeerblattes an Medaillengewinnerinnen und -gewinner der Deaflympischen Sommerspiele und der World Games 2025 am 4. Februar 2026 in Schloss Bellevue.

Es ist wunderbar, das Schloss Bellevue so voll zu erleben – vor allen Dingen so voll von offensichtlich fröhlichen, selbstbewussten und wohl auch ein bisschen erwartungsvollen jungen Frauen und Männern.

Ich nehme an, dass Sie alle sich auf diesen Tag gefreut haben. Ist er doch noch einmal ein Tag, an dem Ihre großartigen sportlichen Erfolge im Mittelpunkt stehen und gewürdigt werden. Erfolge, die jede und jeder Einzelne von Ihnen erreicht hat. Und besonders auch Erfolge, die von Mannschaften mit der Kraft und dem Geist toller Zusammengehörigkeit im Team erzielt wurden.

Ich jedenfalls habe mich sehr auf diese Veranstaltung gefreut. Immer nämlich, wenn ich das Silberne Lorbeerblatt an verdiente Sportlerinnen und Sportler aushändigen darf, habe ich das Gefühl, dass eine besondere Atmosphäre entsteht. Dass ein besonderer frischer Wind durch die Räume weht: eine Mischung aus Freude und Leidenschaft, aus Mut und Einsatzbereitschaft, aus Ausdauer und Selbstüberwindung, aus Selbstbewusstsein und Teamgeist, aus Lust am Wettbewerb und aus Wille zum Gewinnen.

Das alles entsteht durch Sie, liebe Sportlerinnen und Sportler, die an diesem Tag auf einen oder mehrere große Erfolge allein oder mit Ihrer Mannschaft zurückblicken können. Und an der großen Zahl, fast einhundert Athletinnen und Athleten sind heute hier zusammen, kann man erkennen, dass die deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den World Games 2025 in Chengdu in China und bei den Sommer-Deaflympics 2025 in Tokio außerordentlich erfolgreich teilgenommen haben.

Manchmal muss man auch einen Satz sagen, der nicht besonders originell ist. Wenn er aber gerade besonders stimmt und passt und die Situation am treffendsten ins Wort bringt, dann ist so ein Satz dran. Also sage ich, wenn ich hier in die Runde schaue, mit voller Überzeugung und sehr gern und voller Freude: So sehen Sieger aus! Und schon an dieser Stelle: Herzlichen Glückwunsch an Sie alle zu Ihren Erfolgen!

Wenn übermorgen die Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina beginnen, wird man wieder erleben, welch ein globales, vor allem global interessierendes Ereignis große internationale Sportveranstaltungen wie die Olympischen Spiele sind. Und mir und Ihnen ist klar, dass die World Games, die Deaflympics oder auch die Paralympics auch deswegen Interesse und Begeisterung und Leidenschaften von Zuschauern erwecken, weil sie von der Ausstrahlungskraft der ganz großen Ereignisse mit profitieren.

Dass die, sagen wir: kleineren Spiele aber sozusagen mitglänzen und mitstrahlen und von den großen nicht in den Schatten gestellt werden, dafür könnte man sicher noch mehr tun. Die Athletinnen und Athleten jedenfalls hätten das mehr als verdient. Vor allem, wenn man bedenkt, welch ganz eigene Qualität die World Games und die Deaflympics mit ihren jeweiligen Besonderheiten haben und welch überragende Leistungen die Sportlerinnen und Sportler dort vollbringen.

Und diese Wettkämpfe haben ja ihren Platz schon lange gefunden. Dass zum Beispiel die Deaflympics nun schon ihren einhundertsten Geburtstag feiern konnten, zeigt, dass sie ein fester und nicht wegzudenkender Teil der internationalen Sportwelt sind. Seit einhundert Jahren wird hier hart um Siege und Medaillen gekämpft – und wer hier gewinnt, hat sich gegen starke sportliche Konkurrenz beweisen müssen.

Insofern können Sie, das deutsche Team der Deaflympics, mehr als stolz darauf sein, im vergangenen Jahr mit sechsmal Gold, achtmal Silber und zehnmal Bronze die beste Bilanz seit zwanzig Jahren vorweisen zu können. Dadurch sind, wie ich erfahren habe, die anfänglichen Erwartungen übertroffen worden.

Solche sportlichen Leistungen und Erfolge sind sicher auch Ermutigung für andere Gehörlose, sich einem Team oder Verein anzuschließen und sich selber sportlich auszuprobieren und herauszufordern. Die erfolgreichen Sportlerinnen und Sportler der Deaflympics sind ganz gewiss für andere mit dem gleichen Handicap Motivation und vielleicht auch Vorbild. Gerade deswegen sind ihre Erfolge sozusagen doppelt wichtig und Grund zur Freude für uns alle.

Nicht ganz so lange wie die Deaflympics gibt es die World Games, aber immerhin bald auch schon ein halbes Jahrhundert. Da darf man ruhig davon sprechen, dass sie sich durchgesetzt und im internationalen Sportkalender etabliert haben.

Hier kommen, Sie wissen es, Sportarten, die bei den Olympischen Spielen nicht vorgesehen sind, zum Austrag – und manche davon sind so originell und auch für die Zuschauer von besonderem Reiz, dass sie einen ganz eigenen Stellenwert bekommen haben.

Umso schöner finde ich, dass in diesen bedeutenden Spielen die deutschen Mannschaften seit Langem so hervorragend abschneiden – und das in vielen, wenn nicht allen ihren Disziplinen. Dieses Mal, in Chengdu, sind sie so im Medaillenspiegel hinter den gastgebenden Chinesen auf dem zweiten Platz gelandet. Aber in der ewigen Tabelle aus allen bisherigen World-Games-Austragungen belegen sie den ersten Platz.

Die einzelnen Sportler und Teams werden gleich individuell ausgezeichnet und gewürdigt, aber zwei möchte ich doch ausnahmsweise, und ich glaube, da wird mir niemand von den anderen böse sein, auch jetzt schon einmal hervorheben: Das erfolgreichste Team waren die Rettungsschwimmer mit sage und schreibe 13 Medaillen – und die erfolgreichste deutsche Athletin überhaupt war dabei die Rettungsschwimmerin Nina Holt mit allein fünf Goldmedaillen. So etwas ist eine sehr seltene und herausragende Leistung. Ich könnte mir denken, dass das kleine Wortspiel: „Nina holt Gold“ zu einem geflügelten Wort geworden ist.

Nun, nicht alle, die teilnehmen, können gewinnen. Und jeder weiß, wie knapp manchmal der Abstand ist zwischen Gold und Silber – und wie knapp und enttäuschend dann für die, die leer ausgehen –, wie knapp der zwischen Bronze und einem undankbaren vierten Platz.

Trotzdem, hoffentlich nehmen es alle sportlich im ursprünglichsten Sinne – und bleiben fair. So fair wie übrigens unsere Frisbee-Spieler, die den „Spirit-Preis“ für die fairste Mannschaft des Verbandes zugesprochen bekommen haben.

Das Silberne Lorbeerblatt für sportliche Erfolge ist schon sehr früh in der Geschichte der Bundesrepublik, 1950, von unserem ersten Bundespräsidenten zum ersten Mal verliehen worden. Neben den sportlichen Erfolgen werden bei seinen Trägerinnen und Trägern auch, sagen wir es ruhig mit einem leider nicht sehr gebräuchlichen Ausdruck: charakterlich vorbildliches Verhalten und faire Wettbewerbsführung vorausgesetzt. Dass der Staat in dieser Weise bedeutende Sportlerinnen und Sportler auszeichnet, zeigt, dass ihm daran liegt, die guten Seiten des Sports zu fördern, die dem ganzen Gemeinwesen zugutekommen: Mannschaftsgeist, ehrliche Konkurrenz, Leistungsbereitschaft, Selbstbewusstsein, der Wille, das Beste zu geben.

All das können Sportlerinnen und Sportler nur erreichen, wenn sie Unterstützung und Förderung erhalten, durch Vereine und Verbände. Mit Blick auf die heute hier Ausgezeichneten ist sicher immer neu auszutarieren, welche Sportarten, auch und gerade, wenn sie nicht klassisch olympisch sind, vielleicht eine verstärkte auch finanzielle Förderung verdient hätten.

Und schließlich gilt wohl gerade in den Sportarten, wie sie unsere Athleten hier verkörpern: Ohne die tatkräftige Hilfe von Freunden und Eltern, ohne die Unterstützung ihrer Lebenspartnerinnen und -partner wären sie nicht da, wo sie sind. Und oft auch nicht ohne großzügige private Förderer, ohne geduldige, verlässliche, ausdauernde ehrenamtliche Hilfe.

So gilt mein Dank und meine Gratulation heute in erster Linie natürlich den erfolgreichen Athletinnen und Athleten – aber auch allen, die auf manchmal stille und beharrliche Weise diese Erfolge möglich gemacht haben. Vielen Dank!

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