Dritter Streiktag auf den Berliner Flughäfen: Streikbrecher in Schönefeld – Arbeitskampf verschärft sich.
Am heutigen Dienstag werden auch weiterhin die Bodenverkehrsdienstleister WISAG, Aeroground, Swissport Berlin, AHS und Ground Solution bestreikt. Der Streikaufruf von ver.di wurde sowohl in Schönefeld als auch in Tegel wiederum befolgt.
In Schönefeld versucht Ryanair dagegen mit eigenem Personal einen kleinen Teil der Flüge abzufertigen. „Dazu hat die Fluggesellschaft eigenes Personal aus dem Ausland eingeflogen, das jetzt ohne Sicherheitsüberprüfung mit schnell ausgestellten Tagesausweisen auf dem Schönefelder Vorfeld tätig ist“, teilte ver.di-Streikleiter Enrico Rümker in den heutigen Morgenstunden mit. ver.di sieht durch dieses Verhalten von Ryanair die Sicherheit der Passagiere bedroht und wird den Einsatz von Fremdarbeitskräften beim Luftfahrtbundesamt anzeigen. „Auch der Flughafen ist in der Pflicht, dieses Treiben zu verhindern, weil einmal die Sicherheit der Passagiere gefährdet wird und andererseits der Tarifkonflikt eskaliert“, so Enrico Rümker.
Auch wenn nur 10 Prozent der Flüge der Gesellschaft in Schönefeld abgefertigt werden können, sei nunmehr eine Situation eingetreten, vor der ver.di ausdrücklich gewarnt hatte. „Wenn Streikbrecher eingesetzt werden, ist es uns nicht mehr möglich, weitere Streiks vor Beginn anzukündigen. ver.di hatte bislang aus Rücksicht den Fluggästen gegenüber die drei bisherigen Streiktage jeweils 18 Stunden vor Beginn angekündigt. Viele Fluggäste haben davon profitiert und konnten aufgrund der langen Vorlaufzeit in der für sie schwierigen Situation nach Alternativen suchen und sich auf den Streik einstellen“, sagte Enrico Rümker. Es sei zudem bemerkenswert, zu welchem wirtschaftlichen Aufwand Fluggesellschaften bereit seien, um Streikbrecher zu organisieren. Dieser Aufwand stehe in keinem Verhältnis zu den Kosten, die etwa durch Tarifsteigerungen entstünden.
„Wir bedauern es sehr, wenn sich der Konflikt weiter verschärft und der Flugbetrieb von und nach Berlin erheblich beeinträchtigt wird. Wir sind daran interessiert, dass der Konflikt mit einer fairen Lösung beigelegt wird. Aber die Tatsache, dass die Arbeitgeber der Bodendienstleister bis heute früh kein verbessertes Angebot vorgelegt haben, zeigt deutlich, dass sie eigene Interessen verfolgen und an einem Kompromiss offenbar nicht interessiert sind“, so Enrico Rümker.
Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hat aber nochmals betont, dass der Streik bei den Berliner Bodenverkehrsdienstleistern am morgigen Mittwoch, dem 15. März 2017 wie angekündigt gegen 5:00 Uhr früh beendet sein wird.
Anschließend werde sich der Betrieb auf den beiden Flughäfen schrittweise wieder normalisieren.
ver.di-Streikleiter Enrico Rümker kündigte an, dass es bis einschließlich des Wochenendes keine weiteren Streiks auf den beiden Flughäfen geben werde.
„Wir haben uns zu dieser Streikpause entschlossen, um den Arbeitgebern eine weitere Nachdenkpause zu gewähren. Nur mit einem verbesserten Angebot durch die Arbeitgeber kann der zurzeit verschärfe Konflikt beigelegt werden“, so Enrico Rümker.
Streikbruch ist illegal
„Die Vetternwirtschaft zwischen Fluggesellschaft und Bodenverkehrsdienstleister ist ein Skandal. Wer Streikbrecher einfliegt, tritt nicht nur die Rechte der Streikenden mit Füßen, hier werden auch Profitinteressen über die Sicherheit der Passagiere gestellt“, kommentierte Jutta Krellmann, gewerkschaftspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, den Umstand, dass Streikbrecher am Flughafen Schönefeld eingeflogen werden.
Krellmann weiter:
„Für die jetzige Eskalation sind die Arbeitgeber verantwortlich. Die Fluggesellschaften zwingen ihr Personal zum Streikbruch. Wer dann auch noch nach Zwangsschlichtung ruft, braucht Nachhilfe im Verfassungsrecht. Privatisierung und permanentes Outsourcing gehen Hand in Hand mit Leiharbeit und Dumpinglöhnen. Die Auseinandersetzung an den Berliner Flughäfen zeigt, wohin das führt. Die Streikenden kämpfen um ihre materielle Existenz.
DIE LINKE streitet für soziale Standards und lehnt jede Form prekärer Beschäftigung ab, da diese einzig und allein dazu genutzt wird, Lohndumping zu betreiben und Beschäftigte gegeneinander auszuspielen. Zu unseren Forderungen gehört auch ein strenges Verbot von Leiharbeit in bestreikten Betrieben: Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter dürfen nicht als Streikbrecher missbraucht werden.“
Fotoquelle: Von User:Bangin – selbst geschossen, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2641208
