Nach den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin kommentiert Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), die Wahlergebnisse wie folgt:
„Dieser Wahltag war ein weiterer schlechter Tag für
unsere Demokratie. Die AfD hat in beiden Bundesländern stark zugelegt. Da in
beiden Ländern nun Dreierkoalitionen zur Regierungsbildung nötig sein werden,
dürfte die Umsetzung dringend notwendiger Reformprogramme noch schwieriger
werden.
Diese Wahlergebnisse sind ein weiteres Misstrauensvotum für die
Bundesregierung. Für die Bundesregierung wird es nun noch schwieriger werden,
den Mut und die politische Unterstützung für ein grundlegendes Reformprogramm zu
mobilisieren. Wenn CDU, CSU und SPD weiterhin an ihren roten Linien festhalten,
wird sich die politische Lähmung verfestigen, die wirtschaftliche Schwäche
fortsetzen und die Wahrscheinlichkeit eines Wahlsiegs der AfD 2029 weiter
steigen.
Das Versprechen eines Tankrabatts zwei Tage vor der Wahl hat wohl weder der CDU
noch der SPD entscheidend geholfen. Die falsche Lehre für die Bundesregierung
wäre nun der Versuch, die Bürgerinnen und Bürger mit Wahlgeschenken wie dem
Tankrabatt ruhigzustellen. Die Energiekrise wird sich mit hoher
Wahrscheinlichkeit verschärfen. Die Bundesregierung braucht jetzt einen
überzeugenden Plan, wie sie Menschen und Unternehmen sozial und wirtschaftlich
ausgewogen entlastet. Dafür wird sie das Steuersystem reformieren und Subventionen
abbauen müssen. Genauso wichtig sind Strukturreformen, die Deutschland
wirtschaftlich voranbringen und die Sorgen der Menschen nachhaltig beantworten.
Deutschland hat noch immer alle Karten in der Hand, um seine eigene Zukunft zu
bestimmen. Dafür braucht es jetzt jedoch einen Pakt zwischen Politik und
Wirtschaft: mutige Reformen umzusetzen und auch seitens der Wirtschaft mehr
Verantwortung zu übernehmen. Stetes Klagen über die Politik wird nicht
ausreichen, um Deutschland zukunftsfähig zu machen.“
